Vorschau: Dynamo Dresden – ohne Fleiß kein Preis

Endlich Fußball! Am kommenden Samstag gastiert Dynamo Dresden beim 1. FC Union in der Hauptstadt. Bevor der Spielbetrieb in der 2. Bundesliga wieder startet, nimmt liga2-online.de die Winterpause der Dresdner einmal genauer unter die Lupe. Obwohl Dynamo Dresden bis zum zehnten Spieltag auf den ersten Saisonsieg warten musste, durfte man mit der Hinrunde zufrieden sein. Die SGD konnte sich nach dem äußerst mäßigen Auftakt und der Posse um Trainer Peter Pacult unter dessen Nachfolger Olaf Janßen stabilisieren. Am Ende stand sogar ein „kleiner“ Rekord zu Buche: Die Dresdner sammelten 20 Punkte aus den ersten 17 Spielen. Dies war ihnen in der 2. Bundesliga zuvor noch nie gelungen. Da bis zur Winterpause aber nur noch ein weiterer Zähler auf das Punktekonto der Sachsen wanderte, musste man sich dennoch mit einem Abstiegsplatz begnügen. Um dem Sog gen 3. Liga zu entkommen, setzte Chefcoach Olaf Janßen auf eine harte Vorbereitung auf die Rückrunde.

Training, Training und noch mehr Training

Als sich die Mannschaft am 6. Januar zum Trainingsauftakt versammelte, wurde allen sofort klar, dass ihnen bis zum Start der Rückrunde alles andere als ein Spaziergang bevor stand. Olaf Janßen hatte drei tägliche Übungseinheiten angesetzt. Im spielerischen, taktischen und konditionellen Bereich entdeckte der Trainer erhebliches Steigerungspotential. Um dieses auszuschöpfen, musste nun ein großer Trainingsumfang und eine hohe Intensität her, was in der „Hölle“ von Lara gipfeln sollte. Vom 14. - 24. Januar  schlug Dynamo Dresden seine Zelte im Osten Antalyas auf, um im Trainingslager an den Grundlagen für eine erfolgreiche Rückrunde zu arbeiten. Im Gegensatz zu Dresden – das Trainingsgelände im Großen Garten ist im Winter nahezu unbrauchbar – fanden Spieler und Trainer in der Türkei "optimale Bedingungen" vor, wie sie gegenüber „DynamoTV“ versicherten. Fortan wurde an Taktik, Dynamik und Passsicherheit gefeilt. Doch auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen, um einen Lagerkoller zu vermeiden: Olaf Janßen ließ über fünf Tage eine „Dynamo-Meisterschaft“ ausspielen. Der Trainer stellte dabei vier Teams aus unterschiedlichen Charakteren zusammen, die in Disziplinen wie „Blinden-Slalom“, „Todessprung“ und einem Kurzfilm-Wettbewerb gegeneinander antreten mussten. Was für eine Auflockerung des harten Trainingsalltags sorgte, war von Janßen aber vor allem als Teambuilding-Maßnahme gedacht und setzte viel Kommunikation zwischen den Spielern voraus. Der Schachzug vom Trainer, der immer wieder betont, wie wichtig für ihn der Teamgeist ist, ging auf. Verteidiger Alban Sabah verkündete dem vereinseigenen Internetsender: "Die Stimmung ist gut."

Ausgeglichene Testspielbilanz

Nachdem Dynamo Dresden bereits vor dem Trainingslager mit 0:2 gegen den Drittligisten Rot-Weiß Erfurt verlor, setzte es in der Türkei gegen die U23 von Borussia Dortmund eine weitere Niederlage. Die SGD präsentierte sich beim 0:2 wenig überzeugend. Um allen Spielern die Chance zu geben, sich zu empfehlen, standen am 19. Januar gleich zwei Testspiele an. Gegen den österreichischen Meister Austria Wien zeigten sich die Dresdner verbessert. In der Offensive fehlte jedoch weiterhin die Durchschlagskraft und das Spiel endete torlos. Das zweite Duell des Tages hielt Kurioses bereit: Im Dynamo-Lager zeigte man sich zunächst erfreut über den 3:0-Erfolg gegen den russischen Europapokalteilnehmer Rubin Kazan. Aoudia, Hartmann und Susac sorgten mit ihren Treffern für das erste Erfolgserlebnis der Vorbereitung. Olaf Janßen war "positiv überrascht" und zufrieden mit seiner Defensive und dem Teamgeist. Das Spiel gegen Kazan geriet jedoch kurz darauf unter Manipulationsverdacht. Wie später bekannt wurde, setzte Kazan in der ersten Halbzeit mehrere Spieler das russischen Zweitligisten Neftechimik Nischnekamsk ein. Zum Abschluss des Trainingslagers konnte Dynamo Dresden erneut gewinnen. Das Duell gegen den SV Grödig aus Österreich endete 2:0. Dedic und Hartmann konnten sich in die Torschützenliste eintragen. Der Trainer zog daraufhin eine "mehr als positive" Bilanz über die Zeit in der Türkei. "Ich bin glücklich über den Stand der Vorbereitungen" so Janßen gegenüber "DynamoTV". Er sei des Weiteren "extrem zufrieden über die gegenseitige Unterstützung im Team."

Kaum Transferaktivitäten

Als die Mannschaft im Flieger zurück nach Dresden saß, war einer bereits nicht mehr mit an Bord: Torhüter Nico Pellatz unterschrieb einige Tage zuvor beim Regionalligisten FC Viktoria Köln. Er wechselt den Verein ablösefrei. Auch Soufian Benyamina trägt in der verbleibenden Saison nicht das Trikot des ehemaligen Bundesligisten. Er wurde bis zum Sommer zum Drittligisten SC Preußen Münster ausgeliehen. Den zwei Abgängen steht ein Neuzugang gegenüber. Bereits vor Beginn des Trainingslagers wurde ebenfalls ablösefrei Vincenzo Grifo auf Leihbasis von der TSG 1899 Hoffenheim verpflichtet. Der 20-jährige Mittelfeldspieler soll das Dresdner Spiel variabler machen. Vor wenigen Tagen konnte Grifo sein erstes Tor für Dynamo feiern. Er erzielte den zweiten Treffer beim 3:0-Sieg über den FSV Zwickau. Auch im abschließenden Testspiel gegen den tschechischen Zweitligisten FC Hradec Kralove zeigte sich Grifo bemüht. Die SGD konnte das Spiel vor ca. 1.000 Zuschauern im heimischen Stadion mit 4:1 für sich entscheiden. Die Dresdner zeigen somit eine positive Tendenz im Hinblick auf den Rückrundenstart am kommenden Samstag beim 1. FC Union Berlin. Vier der letzten fünf Testspiele konnte man für sich entscheiden. Dabei wurden zwölf Tore erzielt und lediglich ein Gegentor zugelassen.

Umschalten auf Ligabetrieb

Bei allem gebotenen Respekt für Kralove, Zwickau und Grödig wird Union Berlin für die Dresdner aber voraussichtlich eine deutlich größere Herausforderung darstellen. Ob Dynamo am Samstag auf die Unterstützung von Robert Koch bauen kann, ist ungewiss. Der 27-Jährige zog sich im Trainingslager einen Außenbandanriss im rechten Knie zu. Ob mit oder ohne Koch – Punkte gegen Union und in der Woche darauf gegen den unmittelbaren Konkurrenten FSV Frankfurt wären Gold wert für die SGD. Da die Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte nur durch wenige Zähler getrennt und vier Teams sogar punktgleich mit den Dresdnern sind, ist bei entsprechenden Ergebnissen ein großer Sprung nach oben möglich. Ein Loslösen von dem Abstiegsplätzen wäre auch gut für das Selbstvertrauen. Sollten die ersten Spiele nach der Winterpause aber nicht erfolgreich bestritten werden können, droht schnell wieder Unruhe im Verein aufzukommen. Dafür dürfte auch die sofortige Beurlaubung von Geschäftsführer Christian Müller sowie dem Sportlichen Leiter Steffen Menze sorgen. Ungeachtet dessen, stehen für die Sachsen die Wochen der Wahrheit vor der Tür. Bald wird sich zeigen, ob der große Aufwand, den Janßen und sein Team in der Vorbereitung betrieben haben, die erhofften Früchte trägt.

FOTO: Olaf Beger

 

 

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