Winterfazit St. Pauli: Gut, besser, urlaubsreif

In der Weihnachtsgeschichte führte ein heller Stern die drei weisen Könige zum Christuskind in Bethlehem. Auch über St. Pauli prangte 2015 ein solcher Stern. Er gab die Richtung vor, die Spieler folgten und anschließend wurde der Verein reichlich beschenkt. Am Millerntor hat sich inzwischen fast ein Mourinho ähnlicher Personenkult um Trainer Ewald Lienen eingestellt. Kein Wunder, denn der 62-Jährige verwandelte seine Mannschaft binnen eines Kalenderjahrs von einem Kellerkind zum Überflieger. Die lange Reise war jedoch nicht ohne Tücke, deswegen ist seine Mannschaft jetzt vor allem eines – urlaubsreif.

Die Formkkurve bei St. Pauli zeigte zuletzt nach unten. Nur eine der vergangenen fünf Partien entschieden die Hamburger für sich, erzielten dabei lediglich drei eigene Treffer. Gegen den 1. FC Nürnberg hagelte es sogar eine herbe 0:4-Heimschlappe, die angesichts St. Paulis Abwehr-Bollwerks allerdings ein krasser Ausreißer ist. Oft genug rührte die Lienen-Elf in dieser Saison den Beton an und legte so das Fundament für eine Platzierung mit Aussicht auf die Aufstiegsränge. Im Anschluss an das Nürnberg-Spiel folgte mit einem 2:1-Sieg in Kaiserslautern postwendend die Antwort.

Gutes Jahr mit Ermüdungserscheinungen zum Schluss

Der Rückrunden-Auftakt in Bielefeld begann wie der aus der Hinrunde – mit einem mauen 0:0 gegen die Arminia. Erneut hatten die Ostwestfalen die besseren Chancen, abermals konnte St. Pauli mit dem Ergebnis daher gut leben. Zudem waren auch die Platzverhältnisse auf der Alm dem Hamburger Spielstil wenig zuträglich. Abseits des Spielgeschehens bedeutete das Aufeinandertreffen der Klubs ein reges Wiedersehen mit alten Bekannten auf beiden Seiten. St.-Pauli-Trainer Lienen, Torwartrainer Matthias Hain sowie Marc Rzatwkoski waren alle einst für den DSC aktiv, Michael Görlitz und Christopher Nöthe trugen noch in der vergangenen Saison den Dress in Braun-Weiß. Um bei so vielen alten Freundschaften die Vorweihnachtsstimmung nicht zu trüben, schien ein Unentschieden die gerechteste Lösung.

Bitter war dagegen die Heimpleite gegen den Karlsruher SC, da die Hausherren eigentlich das bessere Team waren. Liegengelassene Chancen, nicht gegebene Elfmeter und ein Abseitstor führten aber dennoch dazu, dass St. Pauli sich mit einer Niederlage in die Winterpause verabschiedete. Grund zur Häme gibt es allerdings nicht. Denn 2015 war ein gutes Jahr für den Verein: Klasse und Lasse gehalten, eine starke Hinrunde und der Rückkauf der Merchandise-Rechte. Es war ein Jahr des Auftriebs.

Hinten hui, vorne ok

Als große Konstante erwies sich dabei Schlussmann Robin Himmelmannn, der u.a. in Bielefeld mit einer Sensationsreaktion den Punkt festhielt. In der Abwehrkette fiel der lange Ausfall von Kapitän Sören Gonther kaum ins Gewicht, da Philipp Ziereis als Innenverteidiger eine derart gute Figur abgab, dass Gonther seit seiner Rückkehr zumeist auf der Bank Platz nahm. Die Außenverteidiger wussten ebenfalls größtenteils zu überzeugen, auch wenn der Verlust von Marcel Halstenberg den Zug zum gegnerischen Tor deutlich verringerte. Tatsächlich ist das Flügelspieler der Hamburger noch ausbaufähig. Die Genauigkeit und Torausbeute stimmen nicht immer. Zudem könnte das Spielfeld über die Außen öfter mal schnell überbrückt werden.

Die Hamburger Schaltzentrale, bestehend aus Rzatkowski, Christopher Buchtmann sowie Abräumer Enis Alushi ist dagegen ein Prunkstück, das für viel Kontrolle im Spiel sorgt. Nur gegen äußerst kompaktstehende Mannschaften wirkte das Kurzpassspiel im zentralen Mittelfeld manchmal ein wenig eindimensional. Hier könnte sich St. Pauli dem Gegner noch ein bisschen mehr anpassen, um die Defensivreihen auszuhebeln und auch schlechte Platzverhältnisse wett zu machen. Das soll die überzeugenden Leistungen des Trios aber nicht schmälern, das nach vorne wie nach hinten zur Ligaspitze gehört.

Offensiv-Planspiele zur Winterpause?

Ein besonderer Moment der Hinrunde war sicherlich der, als Lennart Thy seinen Torriecher entdeckte und gegen Fortuna Düsseldorf gleich einen atemberaubenden Viererpack schnürte. Hinter Thy wird es jedoch dünn im Sturm. John Verhoek konnte in seiner (zugeben kurzen) Einsatzzeit bislang nicht überzeugen. Eine weitere Alternative, die dem Spiel noch einmal eine andere Dynamik verleiht, fehlt. Am Offensiv-Impetus werden die Beteiligten in der Winterpause noch einmal schustern müssen. Ob taktisch oder auf dem Transfermarkt bleibt abzuwarten.

Am 4. Januar steigen die Akteure dann wieder ins Training ein, es folgt ein Trainingslager im türkischen Belek vom 15.-24. Januar. Zudem stehen fünf Freundschaftsspiele sowie ein Hallenturnier in Flensburg auf dem Programm, damit beim Gastspiel gegen Greuther Fürth (7. Februar, 13:30 Uhr) alle wieder frisch sind.

 

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