Wohin geht die Reise der Münchner Löwen?

Als Sechzig Fan ist man Leiden gewohnt. Trotz verbessertem Verhältnis zum Investor und vielversprechenden Neuverpflichtungen in der Winterpause, scheint man ein weiteres Jahr – bereits die elfte Ehrenrunde – in der zweiten Liga zu verbringen. Die Resultate geben zumindest keinen Anlass höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Da ändert auch der 4:0 Kantersieg am letzten Wochenende gegen den VfR Aalen nichts. Dabei konnte man in dieser Winterpause berechtigte Hoffnungen auf einen Angriff auf die Aufstiegsplätze hegen.

Gerhard Mayrhofer und der Löwen-Blues

Eines muss man dem neuen Präsidenten der Münchner Löwen lassen. Er lässt nichts unversucht, um den Karren der Löwen nach vorne zu bringen. Ob entsprechende Maßnahmen auch greifen, sei dahingestellt. Den Willen zur Veränderung kann man ihm jedoch nicht absprechen. Da waren zum Beispiel die Aussagen, dass er den ständigen „Löwen-Blues“ leid sei. Mayrhofer möchte mehr Rock n Roll mit der Marke 1860 verbinden „1860 darf ein bisschen mehr Motörhead werden“. Die Konsequenz: Die Löwen verpflichteten im Winter Markus Rejek, der bis dato mehrere Jahre Marketing-Leiter bei Borussia Dortmund gewesen war. Die Bedeutung von Rejek, der damit den entlassenen Robert Schäfer beerbt, ist klar: Die Marke 1860 soll auf ein anderes Level – ein ansehnlicheres  – hochgehievt werden. Rejek lässt auch sofort entsprechende Statements folgen und kommentierte, 1860 habe „mehr Sex“ als der FC Bayern. In weiten Teilen der Löwen-Gemeinde kommen diese Worte an.

Weniger Verständnis hat man da für die neuen Pläne des Präsidenten das „Löwen-Stüberl“ - Herzstück des Trainingsgeländes – in Zukunft umzubauen. Mit dem Umbau soll die Öffentlichkeit vom Trainingsgelände ferngehalten werden. Die Rede ist von Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit „Wir sind hier kein Biergarten, sondern ein Trainingsgelände“, so Mayrhofer. Worte, die bei vielen für Unverständnis sorgen. Doch 1860, der volksnahe Verein, will jetzt andere Wege gehen. Eine Ansicht, die von den Fans, beim Heimspiel gegen den VfR Aalen, mit folgendem  Spruchband kommentiert wurde: „Wir danken Christls Stammkunden für die schlechten Mannschaftsleistungen“ - ein klares Statement. Eigentlich könnten solche Baustellen zum Lachen komisch sein, wären da nicht auch noch die sportlichen Sorgen.

Sportliche Tristesse zum Jahresbeginn

Zwei Punkte aus den ersten vier Spielen im neuen Jahr. Die Bilanz eines Aufstiegsanwärters liest sich anders. Dennoch war es irgendwie abzusehen. Die Erwartungen nach der Winterpause hoch, die Leistungen überschaubar. Die Löwen starteten mit drei Heimspielen in das neue Jahr. Zunächst eine ansprechende Leistung gegen die Fortuna aus Düsseldorf, die aber nur für ein 1-1 reichte. Beim Spiel in Ingolstadt konnte man getrost von einem weiteren Heimspiel reden. Doch die blutleere Vorstellung mündete in einer verdienten 2-0 Niederlage. Dass man nach der ersten Halbzeit und dem 0-2 Rückstand gegen die Überraschungsmannschaft aus Paderborn am Ende noch einen Punkt holte, ist eigentlich unerklärbar. Hätte man sich nicht beschweren dürfen in Halbzeit eins bereits vier bis fünf Gegentore zu bekommen, schaffte man am Ende sogar noch einen Punktgewinn. So richtig wusste niemand, wie man dieses Ergebnis noch hinbekam – die Paderborner am allerwenigsten.

Beim 0-0 in Sandhausen, wo man klar unterlegen war, konnte man sich am Ende bei Gabor Kiraly und dem Unvermögen der schwächsten Offensivmannschaft der Liga bedanken, dass man noch mit einem Punkt nach München fahren konnte. Mit dem Heimerfolg gegen Aalen gelang der erste Dreier in der Rückrunde. Optimisten könnten argumentieren, dass man nur eines aus den letzten sechs Spielen verloren habe. Allerdings – und das ist die traurige Wahrheit – hat man auch nur eines der letzten sieben Spiele gewonnen.

Unsichere Aussichten

Von einem „Befreiungsschlag“ zu sprechen wäre zu früh. Zu schwankend und zu unsicher agierte die Mannschaft in den letzten Wochen. Auch beim deutlichen Sieg gegen Aalen darf man nicht außer Acht lassen, dass man vor der Führung auch zwei Mal hätte in Rückstand gehen können. Womit kann man also diese Saison noch rechnen? Zunächst einmal sollten sich die Fans der Löwen wohl daran gewöhnen, dass man das Konterfei der fleischgewordenen Aufstiegshoffnung nicht mehr allzu lange im Löwen-Dress sehen wird.

Wie letzte Woche bekannt wurde, hat der Japaner Osako eine Ausstiegsklausel am Ende der Saison, die bei einer Million Euro liegt. Momentan ist der Japaner mit drei Treffern aus fünf Spielen die erhoffte Verstärkung im Sturm. Aber mit jedem Tor und der sehr wahrscheinlichen Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien, wird sein Abschied wahrscheinlicher. In den Medien wird Borussia Dortmund bereits als potenzieller Kandidat für eine Verpflichtung des Japaners gehandelt. Die einzige Chance Osako's Aufenthalt in München zu verlängern, wäre wohl der Aufstieg. Doch selbst die größten Löwen-Optimisten rechnen heuer schon mit einer weiteren Ehrenrunde in der 2.Liga.

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