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Das erste Zwischenfazit: Die 2. Bundesliga nach dem Auftakt #2

© imago/Hübner

Neun Spieltage sind gespielt, die 2. Bundesliga lehnt sich in der Länderspielpause erstmal zurück. Die Zeit für ein erstes Fazit ist gekommen: Wer hat in den ersten Wochen überzeugt und wer den Auftakt völlig verschlafen? Im zweiten Teil unserer umfassenden Analyse widmen wir uns den unteren neun Plätzen der Tabelle.

Nach der starken letzten Saison war die Erwartungshaltung bei der SG Dynamo durchaus ambitioniert. Zwar war von Aufstieg bisher nie die Rede, doch einen Platz in der oberen Tabellenhälfte hatte man sich schon vorgestellt. Nicht dass diese Ziele unerreichbar wären oder Dresden im Tabellenkeller stecken würde, aber die Leistungen der SGD geben immer wieder Rätsel auf. Besonders in der Fremde zeigte Dynamo gute Spiele wie in Darmstadt, Regensburg und Heidenheim. Dagegen stehen zuhause desolate Auftritte gegen Sandhausen und Bielefeld. Auch bei den Lilien verschenkte man einen Sieg trotz 3:1-Führung in der 90. (!) Minute. Dynamo entpuppt sich damit in dieser Saison als Wundertüte der Liga. Gerade im Sturm wird die Mannschaft von Verletzungsproblemen gebeutelt. Die Qualität im Kader ist aber groß genug, um nicht in untere Gefilde zu rutschen.

Prognose:  Platz 10 könnte auch am Ende der Saison realistisch sein.

 

Nach der starken letzten Saison und der verlorenen Relegation gegen Wolfsburg wollte die Mannschaft von Trainer Lieberknecht wieder oben angreifen. Derzeit ist der Abstand nach oben aber erstaunlich groß. Das liegt vor allem an den schon fünf Remis in der Saison, bei denen man unnötig Punkte verschenkte. Zuletzt setzte es sogar zwei Niederlagen in Folge, sodass Braunschweig sich von den oberen Regionen der Tabelle erst einmal verabschieden musste. Dazu kamen neben Platzverweisen auch noch Verletzungspech.

Prognose: Der Aufstieg für Braunschweig ist dieses Jahr eher kein Thema. Vielleicht tut eine Saison zur Erholung im Mittelfeld ganz gut. Genau dorthin – vermutlich zwischen Rang 6 und 9 – wird es die Löwen am Ende verschlagen.

 

Die nächste Mannschaft hinter den eigenen Erwartungen ist der FC Ingolstadt. Der Kader wurde vor der Saison durchaus namhaft verstärkt, doch die schwerwiegenden Abgänge von Leckie und Co. konnten die Schanzer nicht kompensieren. Erst zuletzt kam der FCI – nach katastrophalem Saisonstart und Trainerwechsel – ein wenig ins Rollen und holte zwei Siege und ein Remis aus vier Spielen. Damit kommt man allerdings nicht in Richtung Aufstiegsränge. Zu unterschiedlich sind auch die Leistungen, sodass Totalausfälle à la Regensburg, Duisburg und Bochum zu häufig vorkommen. Eine unauffällige Rolle dürfte damit wohl das Höchste der Gefühle für Ingolstadt sein.

Prognose: Bundesliga-Absteiger, die durchgereicht werden? Ist alles schonmal vorgekommen, ist aber zumindest nicht zwingend zu erwarten. Ein wenig aufpassen sollte man rund um den Audi-Sportpark aber schon.

 

Der Aufstieg sollte her für die Männer der Castroper Straße, so gab es Sportvorstand Christian Hochstätter vor Saisonbeginn aus. Doch nach nur neun Spieltagen findet sich der VfL im Chaos wieder. Trainer Ismail Atalan ist bereits Geschichte, zudem scheint das Verhältnis zwischen Mannschaft und Vorstand nicht mehr intakt – das zeigt unter anderem die Suspendierung von Kapitän Felix Bastians. Zuviele eklatante Fehler und Rückstände in beinahe jedem Spiel haben der Mannschaft zudem den Zahn gezogen. Auch die hohen Ansprüche und der damit verbundene Druck lähmen die Spieler, die die Qualität ihrer Namen erst noch beweisen müssen.

Prognose: Abstiegskampf? Schwer vorstellbar in Bochum, in den letzten Jahren aber schon mehrfach Realität geworden. Dennoch wird der VfL nicht absteigen und sich noch in sichere Regionen der Tabellen schieben.

 

Der untere Teil der Tabelle beginnt mit dem SSV Jahn Regensburg. Die Mannschaft von Achim Beierlorzer zeigt dabei spielerisch durchaus ansprechende Leistungen, wird aber vermehrt unter Wert geschlagen. Drei Siege, bei sechs Niederlagen sind am Ende zu wenig für eine ruhige Länderspielpause. Dem Aufsteiger droht als eine lange Saison im Abstiegskampf, was aber von Beginn an zu erwarten war. Es wird zwingend darauf ankommen, ob sich die Mannschaft für die guten Auftritte wie in Bielefeld und Düsseldorf belohnt und Punkte sammelt. Dort jedenfalls zeigten sich die Gegner beeindruckt von der Leistung des Jahn.

Prognose: Über Rang 14 kommt Regensburg vermutlich nicht hinaus, wenngleich das die Fans des Jahn unterschreiben würden. Es droht dennoch der Kampf um den Klassenerhalt.

 

Was die Meidericher vom MSV Duisburg derzeit erleben müssen, ist schon ein wenig wie im falschen Film. Trotz beachtlicher Leistungen gegen Nürnberg, Ingolstadt, Kiel oder Düsseldorf setzte es 4:14 Tore für die Zebras und nur einen Punkt. Dabei hatte man keineswegs weniger Chancen als der Gegner oder war das unterlegene Team. Vielmehr haperte es massiv an der eigenen Chancenverwertung und Aluminiumpech. Auch dadurch steht man punktgleich mit dem 1. FC Heidenheim auf Rang 15 und hat kaum Luft zum Atmen. An Trainer Ilja Gruev ist derzeit zwar nicht zu rütteln, denn die Leistungen waren spielerisch zu überzeugend. Letztlich ist und bleibt Fußball Ergebnissport.

Prognose: Bekommt der MSV seine schwache Chancenauswertung und Defensivschwäche nicht in den Griff, bleibt er trotz guter Spiele im Keller stecken.

 

Erstmal seit seinem Aufstieg in die 2. Bundesliga muss der FCH um den Klassenerhalt kämpfen. Unter Trainer Frank Schmitt – dem längsten im Amt befindlichen Trainer der Liga – war in der Regel in Platz in der oberen Tabellenhälfte kein Problem. Das ist in dieser Saison anders, da jegliche Souveränität und die Qualität knappe Spiele zu gewinnen verschwunden sind. Lediglich zwei magere Siege und zwei glückliche Remis konnten die Männer von der Ostalb verbuchen. Insbesondere vor heimischer Kulisse setzte es bisher immer reichlich Gegentore und wenig Erfolge.

Prognose: FCH im Abstiegskampf? Klingt komisch, ist aber so und wird wohl auch in dieser Saison so bleiben. Stecks man erstmal unten drin, ist der Weg nach oben lang.

 

Was ist aus dem 1. FC Kaiserslautern geworden? Jedes Jahr steigt die Hoffnung auf die Rückkehr in die Bundesliga für den Meister von 1997. Jedes Jahr hinkt man dann den eigenen Erwartungen hinterher und steht am Ende im Mittelfeld der Tabelle. Dieser Trend ist in den letzten Jahren nicht neu, doch dieses Jahr kommt alles noch viel schlimmer. Kaiserslautern ist Vorletzter der Tabelle und ließ sich bis vor dem letzten Spieltag regelmäßig abschießen. Trainer Meier musste gehen und Jeff Strasser übernahm. Der Luxemburger feierte bei seinem Einstand gleich einen 3:0-Sieg über Greuther Fürth und brachte Hoffnung zurück.

Prognose: Kaiserslautern in Liga 3? Das ist eigentlich kaum vorstellbar. Hält der Strasser-Effekt jedoch nicht an, bleibt es ein mögliches Szenario.

 

Am Schlimmsten sieht es derzeit allerdings bei der SpVgg Fürth aus. Das Kleeblatt musste sich schon in den letzten Jahren mit der Rolle des Ausbildungsvereins abfinden, der immer wieder Talente an andere Vereine abgeben musste. Dennoch überzeugte Fürth mit tollem Offensivfußball und stand zumeist zwischen Rang vier und neun. In diesem Jahr läuft aber überhaupt nichts zusammen am Ronhof. Abgesehen vom überraschenden Sieg gegen Spitzenreiter Düsseldorf klappt rein gar nichts. Nichtmal der Trainerwechsel nach dem miesen Saisonstart hat funktioniert. Der Frust sitzt tief und schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Prognose: Es fällt schwer zu sagen, aber für Greuther Fürth könnte der Klassenerhalt sehr schwer werden. Eine Rückrunde à la St. Pauli gibt es nicht jede Saison.

Das erste Zwischenfazit: Die 2. Bundesliga nach dem Auftakt #1