96-Traumtor zurückgepfiffen: "Wer diese Regel erfunden hat ..."

Das Debüt von Kenan Kocak als neuem Hannover-Coach glich einer Episode von "Pleiten, Pech & Pannen". Ein früher Rückstand, ein irreguläres Traumtor und ein Platzverweis sorgten bei den Niedersachsen für unfreiwillige Unterhaltung.

"Wir waren auch bemüht"

"Die Partie hat für uns mit dem Eigentor natürlich nicht so gut angefangen", stellte Hannover-Coach Kenan Kocak nach Abpfiff ernüchtert fest, denn als neuer Trainer der 96er musste der Fußballlehrer schon nach drei Minuten erst einmal durchatmen. Ein Ball von Darmstadts Marvin Mehlem ging erst durch die Beine von 96-Kapitän Marvin Bakalorz, dann drückte Waldemar Anton die Kugel auf der Linie über selbige - Slapstick. Dass Hannover danach schnell in die Partie zurückfand, war am Ende Makulatur.

"Wir waren auch bemüht, aber hatten immer wieder Probleme mit dem hohen Pressing des Gegners", erklärte Kocak, dessen Team nach dem 1:1-Ausgleich durchaus besser in die Partie fand. Trotzdem rannten sie 60 Minuten einem weiteren Rückstand hinterher. Ein Traumtor von Marc Stendera in der 84. Minute hätte die Wogen zumindest ein bisschen geglättet, stattdessen brandete die pure Verzweiflung auf. "Die Aktion mit dem Schiedsrichter ist dann wahrscheinlich symptomatisch für die aktuelle Situation, aber wir werden weiterarbeiten und ich bin überzeugt davon, dass wir uns für die Arbeit auch belohnen werden", gab sich Kocak nach seiner Debüt-Niederlage kämpferisch.

Regelwerk wird zum Verhängnis

Aber was war passiert? Stendera hämmerte den Ball aus rund 30 Metern perfekt in den Winkel, der Jubel auf dem Platz und den Rängen war grenzenlos. Bis Schiedsrichter Martin Thomsen den Videoassistenten nach dessen Hinweis bemühte. Das Problem war: Thomsen selbst fälschte den Ball von Genki Haraguchi zu Stendera ab, doch der Unparteiische hat dies laut Regeländerung aus dem Sommer zu unterbinden - der Schiedsrichter ist keine "Luft" mehr. "Ich habe erst auf der Bank erfahren, dass es diese Regel gibt. Wer diese Regel erfunden hat ... aber es ist halt so", zeigte sich Kocak gegenüber der "Welt" äußerst bedient.

Es war die IFAB, das internationale Regelboard des Fußballs, das Hannover am Montagabend den Sieg kostete - zurecht, denn Thomsen fälschte den Ball entscheidend ab, sodass das Spielgerät Stendera erreichte. "Ich möchte zu dem Videobeweis eigentlich nichts mehr sagen", fühlte sich 96-Stürmer Hendrik Weydandt dennoch benachteilit. Auch, weil Thomsen die Angelegenheit selbst verkomplizierte: "Der Schiedsrichter konnte es mir auch nicht so wirklich erklären. Er meinte nur, dass der Ball wohl von Darmstadt kam und wir durch den Kontakt in Ballbesitz kommen." Ein Pfiff des Unparteiischen vor Stenderas Abschluss hätte der Szene vorbeugen können - stattdessen kassierte der frustierte und vermeintliche Torschütze zunächst Gelb, dann wegen eines Kicks gegen die Eckfahne die Gelb-Rote Karte. Für Kapitän Marvin Bakalorz eine Katastrophe: "Ich konnte es überhaupt nicht fassen in dem Moment, für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Momentan läuft einfach alles gegen uns, das ist wirklich extrem."

Die 1:2-Pleite gegen Darmstadt ist bereits die dritte Niederlage im siebten Heimspiel, zuvor konnte Hannover nur vier Punkte aus Unentschieden vor eigenem Publikum holen. Eine Menge Arbeit, die noch vor Kenan Kocak liegt - vielleicht auch inklusive Regelkunde.

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