Heidenheim: Systemwechsel bringt nicht den erhofften Erfolg

Beinahe hätte der 1. FC Heidenheim den Tabellenführer aus Ingolstadt ein Bein stellen können, aber eben nur beinahe. Erstmals seit dem Ausbau während dieser Spielzeit konnten bis zu 15.000 Zuschauer in der Voith-Arena Platz finden, am Ende waren es 13.600 Zuschauer, die einen neuen Zuschauerrekord aufstellten und ein sehr intensives Spiel zu sehen bekamen, bei dem ein Traumtor von Pascal Groß gereicht hat, um das Spiel für die Gäste zu entscheiden. Der 1. FC Heidenheim wusste nach schwacher erster Halbzeit sich zu steigern und war dem Ausgleichstreffer sehr nahe, doch Ingolstadt war abgezockt genug, um die Führung über die Zeit zu retten.

Mit 4-5-1, aber ohne Durchschlagskraft

Die herbe 0:4-Klatsche auf dem Betzenberg schwebte noch einige Zeit in den Köpfen von Verantwortlichen und Spielern herum. Dort agierten die Heidenheimer im gewohnten 4-4-2-System. Gegen Ingolstadt stellte Cheftrainer Frank Schmidt etwas um. Nachdem Florian Niederlechner seine Gelbsperre abgesessen hatte, stand er als einziger Stürmer auf dem Platz. Mit Alper Bagceci wurde ein weiterer Mittelfeldspieler aufgestellt. Man wollte gegen die spielstarken und technisch versierten Gäste aus Ingolstadt eine Überzahl Situation im Mittelfeld schaffen. Im ersten Spielabschnitt standen die Heidenheimer durch diese Umstellung zwar relativ sicher, aber dennoch hatten die Gäste mehr Spielanteile und erspielten sich so einige Torchancen. Im Spiel nach vorne war vom 1. FCH dann auch herzlich wenig zu sehen. Das 4-2-3-1 verschob sich dann meist zu einem 4-1-4-1. Doch man konnte sich kaum mit spielerischen Mitteln Chancen herausarbeiten. Unter dem großen Druck der Gäste blieb oftmals nur der lange Ball übrig und so stand Niederlechner meist allein auf weiter Flur. Und hinten? Da wurde es mit der Zeit auch immer wackliger. Nach rund 20 Minuten half dann Schiedsrichter Rene Rohde mit, als er im Strafraum ein Foulspiel von Robert Strauß an Matthew Leckie übersah. Doch der FCI hielt sich nicht lange damit auf. Nur wenige Minuten später kam Groß an den Ball, der einen Gegner ausstiegen ließ und aus 22 Metern trocken abzog. Der Ball schlug hoch im Eck ein, FCH-Torhüter Jan Zimmermann konnte dem Ball nur hinterher sehen. Deutliche Worte fand auch Schmidt. „Wir waren da einfach zu passiv. Das war nicht zweitligatauglich“, so Schmidt nach dem Spiel. Bis zum Halbzeitpfiff ließen die Heidenheimer eine Reaktion missen. Ingolstadt hatte die Partie weiter im Griff ohne dabei selbst großartig zu glänzen.

Mit zwei Stürmern besser, aber nicht gut genug

Zur Pause kam dann der erwartete Wechsel. Andreas Voglsammer kam für Bagceci in die Partie. Die Heidenheimer agierten nun wieder im gewohnten 4-4-2 und waren nun deutlich besser in der Partie, auch wenn in der 47. Minute beinahe das 0:2 gefallen wäre. Lukas Hinterseer vergab leichtfertig eine deutlichere Führung. Ab nun bot sich den Fans ein komplett anderes Bild, für was sie in gewissermaßen auch selbst verantwortlich waren. „Ab der 50. Minute waren wir richtig drin im Spiel. Da muss ich auch unsere Fans loben, die bedingungslos hinter uns standen und für eine unglaubliche Stimmung gesorgt haben, die ich selten so erlebt habe“, sagte Schmidt. Man konnte das Knistern förmlich spüren. Es lag was in der Luft und jeder spürte, dass man dem Tabellenführer doch noch ein verspätetes Ostergeschenk ins Nest legen könne. Die wohl größte Chance bot sich Robert Leipertz, der aus acht Metern am glänzend reagierenden Ramazan Özcan scheiterte. Etwas kurios vergab Leipertz auch die nächste Chance, als er nach einer Kopfballstafette am Ende selbst zum Kopfball ansetzte. Özcan kam jedoch sehr stark aus seinem Tor und wurde dann selbst am Kopf getroffen, sodass der Ball am Tor vorbei hüpfte. Den fälligen Eckball verweigerte jedoch Schiedsrichter Rohde den Heidenheimern. Den Hausherren lief allmählich die Zeit davon. Ingolstadt brachte neue Kräfte und unterbrach durch die Wechsel den Druck der Heidenheimer. Je näher das Spielende rückte, desto besser wurden wieder die Gäste. Diese suchten nicht mehr den direkten Weg zum Tor und verpassten so die Vorentscheidung, aber sie waren routiniert genug, um viel Zeit von der Uhr zu nehmen und die Heidenheimer mit Defensivaufgaben zu beschäftigen.

Optimistisch in die restlichen Spiele

Am Ende war eine gute Halbzeit einfach zu wenig, um gegen die stark aufstiegsgefährdeten Ingolstädter etwas Zählbares mitzunehmen. Jedoch hat die zweite Halbzeit gezeigt, dass man selbst gegen die Topteams der Liga mithalten kann. Bereits am nächsten Wochenende treffen die Heidenheimer auf den nächsten Aufstiegsanwärter. Dann ist man nämlich zu Gast beim Mitaufsteiger aus Darmstadt. „Auf der zweiten Halbzeit können wir aufbauen. Wir müssen in Darmstadt daran anknüpfen, um mit solch einer Stabilität und Einstellung von Beginn an in das Spiel gehen“, richtete Schmidt den Blick schon nach vorne. Das Hinspiel endete 1:1. Man darf jetzt schon gespannt sein, wie das Team die neuerliche Niederlage verarbeitet und in Darmstadt auftreten wird. Eines dürfte jedoch sicher sein. In Darmstadt dürften die Heidenheimer wieder mit zwei Stürmern von Beginn an auflaufen.

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