Erzgebirge Aue: Die perfekte englische Woche
Auch das Endspiel gegen die Münchner Löwen können die Veilchen für sich entscheiden und gewinnen dank eines sicheren Elfmeterschützen und einer nach wie vor stabilen Abwehr mit 3:0. Der höchste Heimsieg der Saison hievt die Auer wieder auf den 15. Tabellenplatz, nachdem die Konkurrenz aus St. Pauli und Bielefeld schon am Freitag gewonnen hatte.
Auf Nazarov ist Verlass
Die englische Woche hatte bei den Veilchen einige Körner gekostet. Domenico Tedesco überraschte mit seiner Startelf und tauschte im Vergleich zum Auswärtssieg in Berlin gleich dreimal und brachte Christian Tiffert, Clemens Fandrich und Cebio Soukou ins Spiel. Top-Torjäger Pascal Köpke blieb auf der Bank, für ihn spielte Dimitrij Nazarov in der Spitze. Aue im mittlerweile gewohnten 3-4-3 System fand jedoch vor ausverkauften Haus nicht gleich ins Spiel. Die Löwen überließen den Auern den Ball und stellten die Räume im Mittelfeld gut zu, die Veilchen fanden keine Lücken und ließen das Spielgerät hauptsächlich durch die Abwehr laufen. So hatten die drei Auer Innenverteidiger im ersten Durchgang die meisten Ballaktionen, die Löwen störten früh und lauerten auf Fehler und nutzten diese und erspielten sich Chancen. Aycicek traf nur das Außennetz, Gytkjaer prüfte Martin Männel mit einen Lupfer und vergab zudem noch eine Hundertprozentige. Die Lila-Weißen hatten mehr Ballbesitz, waren besser in ihren Zweikämpfen, doch die wirkliche Gefahr ging mehr von den Münchnern aus. Aue fehlte die Dominanz im Mittelfeld und die klaren Aktionen nach vorne, die Führung kam wie aus dem Nichts und dank gütiger Mithilfe der Gäste. Wieder einmal war es Dimitrij Nazarov, der im richtigen Moment in einen schlampigen Rückpass einlief und von Boenisch nur durch eine Notbremse gestoppt werden konnte, Schiedsrichter Stegemann zeigte auf den Punkt und gab dem Übeltäter obendrein Rot. Nazarov trat an zu seinem fünften Strafstoß in dieser Saison und verlud Ortega im Kasten, die Führung und der Pausenstand.
Soukou macht den Deckel drauf
Unter Domenico Tedesco trafen die Veilchen zwar in jedem Spiel, doch nie mehr als einmal, dieser Trend endete schon kurz nach dem Wiederanpfiff. Die Löwen hatten mit Mauersberger einen neuen Innenverteidiger in der Halbzeitpause gebracht und waren noch unsortiert, Christian Tiffert sah die Lücke, den einlaufenden Soukou und passte genau. Soukou ließ sich auch von Ba nicht mehr stoppen, sein leicht abgefälschter Schuss flog über Ortega ins Tor. Aus zwei Chancen macht Aue zwei Tore, die mangelhafte Chancenverwertung der Hinrunde ist passé. Das Spiel war entschieden, zwar mühten sich die Münchner und konnten einige Male gefährlich in den Strafraum kommen, doch in der letzten Konsequenz machte die Auer Innenverteidigung dicht. Die gefährlichste Möglichkeit vereitele Kalig auf der Linie nach einem Kopfball von Neuhaus. Offensiv schalteten die Veilchen nicht höher, Steve Breitkreuz prüfte Ortega aus der Distanz. Kurz darauf wieder ein Pfiff von Stegemann, Ba mit dem gestreckten Bein gegen Nazarov, wieder gab es Strafstoß und wieder verwandelte der Gefoulte sicher. Bereits das siebte Saisontor für den Nationalspieler Aserbaidschans, sechs davon vom Punkt, alle Treffer erzielte er in der Rückrunde. In der Folge ebbte die Partie weiter ab, Aue schonte die Löwen und den Stadionsprecher und schaltete Offensiv in den Standby-Modus. In der Abwehr blieben die Veilchen jedoch wachsam und gaben den Gästen keine Chance zur Ergebniskosmetik. auch im dritten Spiel in Folge kassierte Martin Männel kein Gegentor.
Platzverweis wird zur Schlüsselszene
Auch wenn das 3:0 gleichbedeutend mit dem höchsten Sieg unter Domenico Tedesco und dem höchsten Heimsieg der Saison für Aue ist, den Veilchen war anzumerken, dass die englische Woche viel Kraft gekostet hat, physisch wie mental. Die Auer waren in der Defensive zu Beginn anfälliger als noch in Berlin und auch im Mittelfeld fehlten die nötigen Highlights in der ersten Hälfte. Entscheidend war der Platzverweis von Boenisch, den Aue durch sehr aktives Pressing verursachte. Beide Trainer waren sich nach der Partie einig, dass es ohne diese rote Karte ein anderes Spiel gegeben hätte. Aue konnte in Überzahl schnell die Führung ausbauen, bewies bis zum 3:0 auch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und blieb dann souverän in der Abwehr, ein verdienter Sieg auch wenn das Ergebnis nicht ganz den Spielverlauf und das Kräfteverhältnis wiedergibt.
Perfekte Ausbeute in der englischen Woche
Dimitrij Nazarov nach seinem ersten Doppelpack im Veilchentrikot: „Es waren drei wahnsinnig intensive Spiele in einem kurzen Zeitraum, wenig Erholung, kaum Training, man muss sich gut regenerieren. Ich denke das hat man auch gesehen wir waren topfit. Jetzt können wir uns endlich ein zwei Tage ausruhen und dann konzentrieren wir uns auf Nürnberg.“ Heimsieg gegen St. Pauli, Auswärtssieg in Berlin und zum Abschluss ein 3:0 vor ausverkauften Haus gegen die Münchner Löwen, neun Punkte, kein Gegentor, besser kann eine englische Woche nicht laufen. Doch auch dieser Siegeslauf reicht noch nicht, um sich entscheidend im Abstiegskampf abzusetzen, die Konkurrenz schläft nicht und mittlerweile muss die halbe Liga anfangen zu zittern, im wohl spannendsten Endspurt der 2. Liga seit Jahren. Der Trend im Erzgebirge geht klar nach oben, kein Team kassierte in den letzten fünf Spielen so wenig Tore, kein Team holte mehr Punkte und so haben die Veilchen für den Schlussakkord die besten Aktien. Hält die Serie von Domenico Tedesco auch gegen Nürnberg, können die Veilchen sogar punktgleich mit dem Club auf Rang zehn springen.