Abstiegskampf: Wer bleibt drin, wer steigt ab?
Auch vor dem 31. Spieltag bleibt die 2. Bundesliga spannend, im Rennen um den Aufstieg haben sich drei Favoriten herauskristallisiert. Ab Platz vier richten sich die Blicke nur noch nach unten. liga2-online schaut auf die Restprogramme der Abstiegskandidaten und ihre aktuelle Formkurve.
Platz 4: SSV Jahn Regensburg (44 Punkte)
Restprogramm: FC St. Pauli (H), MSV Duisburg (A), SV Darmstadt 98 (H), VfL Bochum (A)
Unglaublich aber wahr, der Aufsteiger aus der 3. Liga ist selbst mit 44 Punkten immer noch nicht gerettet. Theoretisch könnten die Donaustädter sogar noch auf einen direkten Abstiegsplatz fallen, natürlich nur mit einer hohen Niederlagenserie und unter Mithilfe aller Konkurrenten. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt wohlmöglich im Promillebereich. Mehr als unwahrscheinlich, vor allem da die Mannschaft von Achim Beierlorzer mit 22 Punkten die beste Rückrundenmannschaft der Liga stellt.
Platz 5: DSC Arminia Bielefeld (43 Punkte)
Restprogramm: Braunschweig (A), Kaiserslautern (H), St. Pauli (A), Sandhausen (H)
Mit seinem 111. Tor im Dress der Arminia zementierte Fabian Klos am Wochenende den Sieg der Bielefelder gegen Erzgebirge Aue. Mit 43 Punkten können auch die Ostwestfalen theoretisch noch direkt absteigen. Im Restprogramm warten jedoch vier kriselnde Vereine auf den DSC, mit dem gefährlichen Sturmduo Voglsammer und Klos dürften die letzten Punkte bald eingefahren werden.
Platz 6: VfL Bochum (43 Punkte)
Restprogramm: Fürth (A), Aue (H), Union Berlin (A), Regensburg (H)
Mit 17 Punkten aus nur acht Spielen hat Robin Dutt es nicht nur all seinen Kritikern gezeigt, der 53-Jährige hat auch den VfL wieder in die Tabellenregion katapultiert, in der sich der Verein standesgemäß sieht. Nach zuletzt vier Siegen in Folge ist es kaum vorstellbar, dass sich die Bochumer noch abfangen lassen, zudem warten vier machbare Aufgaben auf den VfL. Mann der Stunde ist Lukas Hinterseer, der Stürmer erzielte unter Dutt sechs Tore und legte einen Treffer auf. Hält er seine Form, hält auch der VfL die Klasse.
Platz 7: FC Ingolstadt (42 Punkte)
Restprogramm: Düsseldorf (A), Kiel (H), Braunschweig (A), Kaiserslautern (H)
Nach dem Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg sind bei den Schanzern die letzten Aufstiegsträume geplatzt. Zu unbeständig spielte die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl in diesem Jahr. In der Rückrundentabelle belegen die Bayern lediglich Rang acht. Das Restprogramm hat es in sich, mit Düsseldorf und Kiel warten zwei Aufstiegsaspiranten. Mit Braunschweig und Kaiserslautern könnten den Schanzern sogar noch zwei Endspiele zum Saisonfinale drohen. Die nötige Klasse hat die Mannschaft aus Ingolstadt, auch wenn es für den Aufstieg nicht reicht, mit einem Sieg wäre der Ligaverbleib so gut wie sicher.
Platz 8: SV Sandhausen (41 Punkte)
Restprogramm: Darmstadt (H), Heidenheim (A), Nürnberg (H), Bielefeld (A)
Immer wieder rückte der SVS in dieser Saison an die Aufstiegsränge heran, nach einer Sieglos-Serie richteten sich die Blicke im Hardtwald wieder nach unten. Die sonst so solide Defensive der Sandhäuser schwächelte in den vergangenen Wochen. In Duisburg fand die Mannschaft von Trainer Kenan Kocak wieder zu alter Stärke, hielt die Null und nutzte die Fehler der gegnerischen Abwehrreihe konsequent aus. Das Restprogramm darf man aber nicht unterschätzen, vier Punkte werden für den Klassenerhalt sicher noch gebraucht.
Platz 9: 1.FC Union Berlin (40 Punkte)
Restprogramm: Heidenheim (H), Darmstadt (A), Bochum (H), Dresden (A)
Mit dem Aufstieg haben die Eisernen nichts mehr zu tun. Nach der Trainerentlassung von Jens Keller ging es für Union steil bergab, Andre Hofschneider, der neue an der Seitenlinie holte nur magere 14 Zähler. Mit dem Abstiegskampf hatte man an der Alten Försterei in der 2. Liga jahrelang nichts zu tun, die nötige Entschlossenheit zeigte die Mannschaft erst am Wochenende, in Unterzahl holte man in Hamburg einen Sieg. Erneut wackelt der Trainerstuhl in Berlin, für das Minimalziel Klassenerhalt müssen trotzdem noch ein, zwei Schippen drauf.
Platz 10: FC Erzgebirge Aue (39 Punkte)
Restprogramm: Duisburg (H), Bochum (A), Dresden (H), Darmstadt (A)
Wenn ein Verein sich mit dem Abstiegskampf auskennt, dann ist es der FC Erzgebirge. Praktisch jedes Jahr stecken die Veilchen im Tabellenkeller fest und retten sich noch in den letzten Spieltagen. Wie sein Vorgänger Domenico Tedesco zündete auch Hannes Drews in der Rückrunde die Triebwerke und holte mit einer Serie von acht Spielen ohne Niederlage wichtige Punkte um aus dem Keller zu entkommen. Der Schlüssel zum Klassenerhalt liegt wie immer zuhause, Aue gewann die letzten drei Heimspiele im neuen Erzgebirgsstadion. Mit Duisburg und Dresden warten dort zwei schwere, aber machbare Aufgaben auf die Veilchen.
Platz 11: Eintracht Braunschweig (38 Punkte)
Restprogramm: Bielefeld (H), Nürnberg (A), Ingolstadt (H), Kiel (A)
Wie Union Berlin hat man auch in Braunschweig die Saisonziele klar verpasst, die Mannschaft von Torsten Lieberknecht schaffte es in dieser Spielzeit nie den Anschluss an die Spitze zu finden. Eine echte Siegermentalität fehlt den Löwen, 14 Unentschieden holte man, mehr als jeder andere Zweitligist. Lediglich ein mageres Pünktchen trennt den BTSV vom Relegationsplatz und das Restprogramm hat es in sich. Nachdem es auch gegen Dresden und Darmstadt nicht zu einem Sieg gereicht hat, dürften die Warnleuchten in Braunschweig anfangen zu blinken.
Platz 12: MSV Duisburg (38 Punkte)
Restprogramm: Aue (A), Regensburg (H), Fürth (A), St. Pauli (H)
Je höher man fliegt, desto tiefer fällt man, an der Wedau kann man davon ein Lied singen. Am 25. Spieltag hatten die Zebras die Chance mit einem Sieg bei Holstein Kiel auf Rang 3 zu springen, doch an der Ostsee setzte es eine 5:0-Klatsche, von der man sich immer noch nicht erholt hat. Nur einen einzigen Punkt holte man seitdem, taumelt angeschlagen wie ein Boxer durch die Liga und muss nach den zarten Aufstiegsträumen nun wieder um den Ligaverbleib zittern. Mit dem Blick auf das Restprogramm dürfte klar sein, der MSV muss seine Niederlagen-Serie sofort stoppen, um das Ruder noch herumzureißen. Zumindest gegen Aue und Regensburg sahen die Zebras in der Vergangenheit immer gut aus.
Platz 13: 1. FC Heidenheim (37 Punkte)
Restprogramm: Union Berlin (A), Sandhausen (H), Kaiserslautern (A), Fürth (H)
Dass es in dieser Liga sehr schnell gehen kann, bewiesen zuletzt die Heidenheimer. Mit einem Sieg über Spitzenreiter Düsseldorf sprangen die Männer von Frank Schmidt vom Relegationsplatz auf Rang 13. Nach vier Niederlagen in Folge kommt die Wende zur richtigen Zeit, denn in den kommenden Partien warten schwere Aufgaben. Mut dürfte vor allem Nikola Dovedan machen, der Neuzugang im Sommer war schon fast ein Flop, ehe er zuletzt drei Tore für die Heidenheimer erzielte. Für den Klassenerhalt darf der Sieg über Düsseldorf aber keine Eintagsfliege gewesen sein.
Platz 14: SpVgg Greuther Fürth (37 Punkte)
Restprogramm: Bochum (H), St. Pauli (A), Duisburg (H), Heidenheim (A)
Von Höhenflügen konnte man in Mittelfranken bei der Spielvereinigung nur träumen, fast die ganze Saison befand man sich auf einem direkten Abstiegsplatz. Doch ähnlich wie die Veilchen blühten auch die Kleeblätter im Frühling auf. Mit fünf Siegen aus sieben Spielen blieb man im Rennen um den Klassenerhalt und schaffte sogar den Sprung aus der roten Zone. Für den sicheren Klassenerhalt müssen allerdings noch zwei Siege her, Damir Buric wird seine Mannschaft noch einmal zu Höchstleistungen pushen müssen. Dafür haben die Fürther alles noch in der eigenen Hand.
Platz 15: Dynamo Dresden (37 Punkte)
Restprogramm: Kaiserslautern (A), Düsseldorf (H), Aue (A), Union Berlin (H)
Den 65. Geburtstag hatten sich die Fans der SGD sicherlich anders vorgestellt. Mit 0:4 setzte es zuhause eine derbe Klatsche gegen die Kieler Störche. Dynamo ist in der Rückrundentabelle auf dem letzten Tabellenplatz und das vor allem aufgrund der schwächelnden Offensive. Mit Kaiserslautern wartet eine unangenehme Auswärtsfahrt auf die Sachsen. In der zurückliegenden Hinrunde konnten die Schwarz-Gelben die letzten drei Spiele ausnahmslos gewinnen, für den direkten Klassenerhalt werden mindestens zwei Siege gebraucht.
Platz 16: FC St. Pauli (37 Punkte)
Restprogramm: Regensburg (A), Fürth (H), Bielefeld (H), Duisburg (A)
Auch am Millerntor spukt das Abstiegsgespenst, nach den Niederlagen gegen Aue und Union Berlin rutschte man sogar auf den Relegationsrang. Der Trainerwechsel im Dezember hat nicht funktioniert, St. Pauli stellt mit nur 30 Toren die schlechteste Offensive der ganzen Liga und wenn man keine Tore schießt, kann man auch kein Spiel gewinnen. Markus Kauczinski muss mit seiner Mannschaft langsam den Bock umstoßen. Mit Lasse Sobiech und Christopher Buchtmann sind immerhin zwei Führungsspieler wieder zurück auf dem Platz. Gut möglich, dass die Hamburger bis zur letzten Minute zittern müssen. Das Spiel gegen den MSV Duisburg könnte ein echter Abstiegskrimi werden.
Platz 17: SV Darmstadt 98 (33 Punkte)
Restprogramm: Sandhausen (A), Union Berlin (H), Regensburg (A), Aue (H)
Kommen wir zu den Kellerkindern, auf den vorletzten Platz liegen die Lilien. Nach dem Bundesligaabstieg droht den Hessen auch der Gang in die 3. Liga. Dirk Schuster, der einst den Durchmarsch schaffte, konnte ein Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz in der Rückrunde nicht verhindern. Mit vier Punkten zum rettenden Ufer stehen die Lilien vor einer großen Herausforderung. Hoffnung gibt es dennoch, seit sieben Spielen ist man ungeschlagen und auch das Restprogramm dürfte Mut machen. Eins steht jedoch fest, verlieren ist ab sofort für die Mannschaft verboten.
Platz 18: 1. FC Kaiserslautern (29 Punkte)
Restprogramm: Dresden (H), Bielefeld (A), Heidenheim (H), Ingolstadt (A)
Noch düsterer sieht es beim Traditionsklub aus Kaiserslautern aus. Acht Punkte müssen die roten Teufel mindestens aufholen, eigentlich müssen sogar alle vier Spiele gewonnen werden. Für Michael Frontzeck und seine Mannschaft ist das Heimspiel gegen Dynamo Dresden die letzte Chance noch einmal das Ruder herumzureißen. Im Falle einer Niederlage droht bereits am Wochenende der direkte Abstieg aus der 2. Bundesliga. Noch nie rutschte der Verein seit der Gründung der Bundesliga in die Drittklassigkeit. Die roten Teufel stehen im wahrsten Sinne mit dem Rücken zur Wand.
Fazit: Entscheidung in letzter Minute
Einen Abstiegskampf wie diesen gab es in der 2. Liga noch nie. 15 Vereine müssen auch am 31. Spieltag noch zittern, allen voran die beiden Ex-Bundesligisten Darmstadt und Kaiserslautern. Für die roten Teufel und die Lilien gilt es jedes der kommenden Spiele zu gewinnen, ein Unentschieden oder gar eine Niederlage könnte bereits den sicheren Gang in die 3. Liga bedeuten. St. Pauli, Dresden, Braunschweig und Duisburg sollten schleunigst ihren freien Fall stoppen, um nicht auf den Relegationsplatz oder gar noch auf einen direkten Abstiegsplatz zu stürzen. Selbst Aue und Fürth, die sich in den letzten Wochen befreien konnten, täten gut daran weiter an ihrem Punktekonto zu arbeiten. Spannung ist auch in diesem Jahr wieder garantiert. Für den neutralen Zuschauer ein reines Vergnügen, für den Fan ein Nervenspiel.