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Ausgerechnet im Derby! FCH muss erste Heimniederlage einstecken

„Zuhause unbesiegbar“ hallte es nach jedem Heimspiel des FCH von den Rängen. Am 16. Spieltag war es nun soweit. Die erste Heimniederlage des Aufsteigers war besiegelt. Nach einer enttäuschenden Vorstellung auch völlig verdient. Doch was noch schlimmer schmerzt, als die erste Heimniederlage in der zweiten Bundesliga ist die Tatsache, dass man diese ausgerechnet im Derby gegen den VfR Aalen hinnehmen musste. In der ersten Hälfte vergab Nejmeddin Daghfous die Chance zur Führung vom Punkt aus. So war es Dominick Drexler vorbehalten, den entscheidenden Treffer des Tages zu erzielen. Den Treffer kurz nach der Halbzeit konnte auch Kevin Kraus nicht mehr verhindern, da dieser bereits vor dem Halbzeitpfiff wegen eines groben Foulspiels mit Rot vorzeitig zum Duschen geschickt wurde.

Personelle Probleme

Dass der eigentliche Stammtorhüter Jan Zimmermann verletzt sein würde, stand schon länger fest. Dass nun aber auch sein Ersatz Rouven Sattelmaier ausfallen würde, war so nicht geplant. Somit kam es zu einer Geschichte, die nur der Fußball schreiben kann. Felix Körber kam zu seinem ersten Pflichtspieldebüt. In der Dritten Liga durfte er nach dem Abschied von Erol Sabanov schon einmal für eine Minute Profiluft schnuppern, aber nun in der zweiten Liga einen Einsatz über die vollen 90 Minuten zu absolvieren ist doch noch einmal eine andere Hausnummer. Besonders, wenn es dann auch noch ein Derby ist. Umso erstaunlicher, dass Körber eine fehlerfreie Partie ablieferte. Mehr noch, in einer schwachen Teamleistung stach der Youngster heraus und verhinderte mit einigen Paraden einen noch früheren Rückstand. Beim Gegentor war dann aber auch er machtlos. Zu Recht erntete er von den fantastisch anfeuernden Heimfans vor, während und auch nach dem Spiel Applaus und Sprechchöre. Auch Trainer Frank Schmidt fand nach der Partie nur lobende Worte und hob Körber als „einzigen, positiven Lichtblick“ hervor. „Es war sein erstes Spiel über 90 Minuten im Profifußball für unseren Verein. Er zeigte ein sehr gutes Spiel, an ihm lag es mit Sicherheit nicht“, so Schmidt. Schwerer als die Umstellung im Tor wog da schon der kurzfristige Ausfall von Linksverteidiger Philip Heise. Michael Vitzthum kam zu keiner Zeit des Spiels auch nur annähernd an dessen Niveau heran. Einzig durch Fehlpässe und Ballverluste machte Vitzthum auf sich aufmerksam. So blieb Trainer Frank Schmidt auch keine andere Wahl und er nahm Vitzthum zur Halbzeit raus und brachte mit Alper Bagceci einen Mittelfeldspieler.

Schwächste Vorstellung zur Unzeit

In der bisherigen Spielzeit gab es nur zwei Halbzeiten, in welche die Heidenheimer auf ganzer Linie enttäuschten. Und ausgerechnet am Derbyspieltag fanden die Heidenheimer nie zu ihrem Spiel. Über die gesamten 90 Minuten musste Gästetorhüter Daniel Bernhardt nur ein einziges Mal eingreifen. Der Kopfball von Sebastian Griesbeck strahlte keine ernsthafte Gefahr aus. Die restlichen Versuche flogen mal mehr und mal weniger knapp am Tor vorbei. Doch auch diese Chancen hatten Seltenheitswert. Kein geordneter Spielaufbau gelang den Heidenheimern. Die Gäste verteidigten geschickt und waren im ersten Spielabschnitt die klar spielbestimmende Mannschaft. Hätte Daghfous vom Elfmeterpunkt nicht, gefühlt, genau so hoch drüber geschossen, so wäre bereits Mitte der ersten Hälfte die verdiente Führung für die Gäste dagewesen. So dauerte es bis in den zweiten Spielabschnitt ehe die Gäste in Front gingen. Auch hier unterstrichen die Heidenheimer, dass sie einen gebrauchten Tag erwischt hatten. In Unterzahl agierend und mit einer Dreierkette spielend, war auf der linken Abwehrseite viel Platz. Bei der Hereingabe fiel der Klärungsversuch von Mathias Wittek ausgerechnet Drexler vor die Füße, der dann direkt zur Führung für die Gäste einschoss. Mit der Dreierkette bewies Schmidt jedoch Mut. „Wir mussten in der Halbzeit taktisch etwas verändern, da wir im ersten Spielabschnitt kein Zugriff auf das Spiel hatten, vor allen Dingen im zentralen Bereich“, sagte Schmidt. Zu seinem Leid hat es aber die ersten zehn Minuten des zweiten Spielabschnitts gedauert, ehe sich das Team auf die ungewohnte Aufstellung eingestellt hat. In dieser Zeit nutzte der VfR die Unordnung und traf. Danach entschieden sich die Gäste trotz der Überzahl für eine defensivere Spielweise. Schon mit elf Mann fiel den Heidenheimern nur herzlich wenig ein. Die nun defensivere Ausrichtung des VfR machte einen Torerfolg für den FCH an diesem Tage zu einer Herkulesaufgabe.

Besser gegen Ende

Sicherlich lag es zu großen Teilen auch an der abwartenden Spielweise der Gäste,  aber je länger das Spiel ging, desto mutiger und stärker wurde der FCH. „Wir machen es mit zehn Mann dann auch besser und hatten vorne die eine oder andere Aktion. Mit ein bisschen Glück flutscht vielleicht einer durch und dann steht es 1:1“, sagte ein sichtlich geknickter Marc Schnatterer nach der Partie. Er fügte aber umgehend an, dass man „heute nicht mehr verdient hätte, wenn man das ganze Spiel betrachtet“. Schnatterer selbst blieb, wie die gesamte Mannschaft, weitestgehend blass. Bei seiner einzigen Offensivaktion touchierte sein Schuss aus gut 23 Metern nur die Querlatte. Auch Gästetrainer Stefan Ruthenbeck zitterte etwas in den letzten Minuten. „Wir haben unsere Konter nicht mehr gut gefahren. Der Gegner hatte viele Standards und da kann ein Ball immer durchrutschen und dann steht es 1:1. Da hatte ich etwas Angst vor“, so Ruthenbeck. Doch auch er erkannte die starke erste Hälfte seiner eigenen Mannschaft an und spricht auf Grund dessen von einem „verdienten Sieg“. Dem konnte Schmidt nur beipflichten. „Wir können auch in der Niederlage Größe zeigen. Wir haben heute verdient verloren. Der Gegner war besser. Wir haben verpasst mögliche drei Punkte zu holen, aber von unseren bisher 24 erreichten werden uns auch keine abgezogen“, fasste Schmidt die Partie in aller Kürze zusammen.

Entschuldigung bei den Fans

Dass die Niederlage verdient war, ist für die Fans nur ein sehr schwacher Trost. Dabei sorgten diese bereits vor Anpfiff für eine unglaublich prickelnde Atmosphäre. In einer sehr aufwendigen und auch kreativen Choreographie ernteten diese von den angrenzenden Tribünen viel Beifall. Im ersten Teil bedeckten schwarze Planen die gesamte Osttribüne. Ein Banner dazu sprach von einer „farblosen Tristesse auf der Ostalb“ in Anlehnung an den Derbygegner aus Aalen. Kurz darauf wurden rot-blau-weiße Planen über die Tribüne gezogen. Eine Königsfigur in Stadtfarben mit Schriftrolle und der Aufschrift „Ostalbstolz“ wurde hochgefahren. Im mittleren Teil der Tribüne sorgten im Hintergrund goldene Fahnen für ein gelungenes Gesamtbild.  Auch während des Spiels sorgten die Heimfans für Gänsehaut Atmosphäre. Mit zunehmender Spieldauer entlud sich die Stimmung aber immer mehr gegen den Schiedsrichter. Ein Elfmeterpfiff gegen sich, ein Tor wegen Abseits aberkannt und eine rote Karte gegen sein eigenes Team und all das noch in der ersten Halbzeit. Natürlich kochen da die Emotionen über. Insgesamt gab es in der Partie über 50 Fouls. Die erste gelbe Karte für die Gäste gab es erst in der Schlussviertelstunde. So entwickelte sich der Unmut fast schon in Spott und Häme. Daniel Siebert verpasste es in der Anfangsphase die Aggressivität aus dem Spiel zu nehmen. Er pfiff zwar viel ab, aber ließ die Übeltäter meist unbestraft. Nach dem harten Einsteigen von Kraus dachten viele, dass es nun die erste gelbe Karte des Spiels gibt, aber stattdessen zog Siebert direkt Rot. Eine vertretbare Entscheidung, doch dem bis dato ausgelegten Strafmaß nicht entsprechend. Auch sonst lag Sieber zumindest bei den kniffligen Situationen richtig. Das Handspiel im Strafraum des FCH wurde erkannt und der Abseitstreffer von Wittek wurde auch zu Recht aberkannt. Die Niederlage am Schiedsrichter festzumachen, wäre nicht korrekt und die Spieler und auch Trainer Schmidt wissen, dass es daran nicht gelegen hat. „Wir können uns nur bei den Fans entschuldigen, die mit ihrer Choreo einfach überragend waren. Wir hoffen, dass sie uns trotz der Derbyniederlage weiterhin so grandios unterstützen und das bereits nächste Woche in Aue“, so Kapitän Schnatterer, der bereits auf das nächste und zugleich letzte Spiel der Hinrunde blickt.