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Bochums knapper Sieg: "Haben bei jedem Konter zittern müssen"

Krisenstimmung beim VfL Bochum: Fünftligist KSV Baunatal verlangte der Elf aus dem Ruhrgebiet alles ab, sodass sich der Favorit am Ende nur mit einem knappen 3:2-Sieg über die Ziellinie schleppen und die nächste Runde im DFB-Pokal erreichen konnte. Für Cheftrainer Robin Dutt gab es in der Partie allerhand lobenswerte Aspekte, der sportliche Auftritt seiner Mannschaft zählte allerdings nicht dazu.

"Wurden umsorgt, gehegt und gepflegt"

Zwischen Schauenburg und Guxhagen bei Kassel liegt das beschauliche Baunatal, dessen Einwohneranzahl gerade eben das Vonovia Ruhrstadtion des VfL Bochum füllen könnte, wenn auch Oma und Opa mitgekommen wären. Beinahe aber hätte die Ruhrpott-Metropole alt ausgesehen, denn zur Halbzeitpause der ersten DFB-Pokalrunde führte der Fünftligist gegen den Favoriten. "Ich fange mit dem Positiven an", verkündete VfL-Cheftrainer Robin Dutt verheißungsvoll, denn Baunatal wusste auch dem 54-Jährigen zu Gefallen: "Der Veranstalter KSV Baunatal hat sich sehr gut präsentiert. Wir wurden umsorgt, gehegt und gepflegt. Die Bedingungen waren top." Baunatals Coach Tobias Nebe erhielt ebenso Lob, wie auch die mitgereisten Bochumer Fans. Über seine Mannschaft sagte Dutt zunächst nichts.

Obwohl der VfL das Spiel noch drehte. Nach Auftritten gegen den FCA Walldorf oder den SC Weiche 08 in den letzten DFB-Pokaljahren war das wohl keine Selbstverständlichkeit. Entsprechend kritisch bewertete Dutt den knappen 3:2-Sieg in Baunatal: "Wir sind heute unseren Ansprüchen nicht gerecht geworden. Wir haben bei jedem Konter zittern müssen, dass wir kein Tor bekommen. Für die Unterstützung, die wir momentan erfahren, ist das einfach zu wenig, da darf das Weiterkommen nicht drüber hinwegtrösten." Silvére Ganvoula rettete seine Mannschaft, erzielte alle drei Treffer seiner Mannschaft und führte sie in der Schlussphase zum Zittersieg. "Wir hatten viele Probleme heute und müssen diese als Mannschaft zusammen aufarbeiten", wusste allerdings auch der Stürmer, wie er das Spiel richtig einzuordnen hatte.

Bochumer üben Selbstkritik

Als Baunatal-Stürmer Nico Schrader in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zur Führung für den Außenseiter traf, war dies nicht unbedingt unverdient. Dabei waren die Bochumer schon früh auf der Erfolgsspur, Ganvoulas erster Treffer fiel nach rund 20 Minuten zur Führung des VfL. "Wir haben uns das Leben heute richtig schwergemacht, obwohl wir geführt haben. Wir haben angefangen zu zittern und haben unsere Organisation verloren", ging auch Kapitän Anthony Losilla hart mit der eigenen Leistung ins Gericht. Das bedeutete nach dem Abpfiff auch Erleichterung: "Wir können einfach nur froh sein, dass wir weitergekommen sind. Man merkt, wie wichtig Silvère für uns ist – deshalb ist er auch bei uns, weil wir wissen, dass er Tore schießen kann."

Auch bei VfL-Keeper Manuel Riemann kam angesichts der beiden Gegentreffer keine echte Freude auf: "Es ist nur das Weiterkommen entscheidend, aber man muss klar sagen, dass wir uns schnellstmöglich etwas überlegen müssen." Noch wirken die Bochumer, als seien sie nicht richtig in der Saison angekommen – acht Gegentore gab es inklusive des Pokalauftritts in drei Pflichtspielen. "Wir können nicht in jedem Spiel einem Rückstand hinterherlaufen und darauf hoffen, dass wir noch am Ende die Tore machen", schimpfte Riemann dementsprechend, kein anderer Keeper aus der 2. Bundesliga musste bisher öfter hinter sich greifen.

Am kommenden Freitag (18:30 Uhr) wird es nicht leichter: Die Bochumer werden dann zu Gast beim Hamburger SV sein, die sich im DFB-Pokal immerhin bis zum Elfmeterschießen quälten.