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Die bisherige Saison von Darmstadt 98: Genießerzeit

Eigentlich könnte man den Eindruck gewinnen, es habe sich nicht viel geändert beim SV Darmstadt 98. Die Mannschaft spielt seit geraumer Zeit konsequent ihren Stil, der von Einsatz, Stabilität, Teamgeist und Effizienz geprägt ist. Von den letzten vierzehn Heimspielen ging nur eines verloren. Und nun kommt das Verblüffende: Es hat sich viel geändert, die „Lilien“ spielen mittlerweile in der zweiten Liga. Und doch sind sie sich und ihrem Stil treu geblieben – und haben damit auch noch Erfolg. Nach fünf Spieltagen steht Darmstadt ungeschlagen auf Rang drei. Und dabei wurde das Team von vielen so- bzw. selbsternannten Experten als nahezu chancenlos eingestuft. „An und für sich hat sich nur die Qualität durch die neuen Spieler verändert. Sie sorgen für Konkurrenzkampf, dadurch profitiert jeder einzelne und somit das Team“, sagt etwa Kapitän Aytac Sulu. In der Tat, denn Sulu selbst wurde während seiner Verletzungspause (vier Wochen aufgrund eines Jochbeinbruchs) durch Zugang Romain Brégerie hervorragend vertreten, mittlerweile hat der Franzose sogar Sulus eigentlichen Partner in der Innenverteidigung Benjamin Gorka erstmal auf die Bank verdrängt.

Geringe Anpassungsprobleme, gut in Form

Ein weiteres Merkmal des Teams von Trainer Dirk Schuster ist der große Teamgeist, denn alle neuen Spieler haben sich hervorragend eingefügt, das gesamte Team steht füreinander ein: „Ich weiß einfach, dass ich hinter und vor mir Spieler habe, die alles dafür geben, mich zu unterstützen. Da fällt es natürlich leichter, Zweikämpfe zu bestreiten“, sagt Rechtsverteidiger Sandro Sirigu, für den die zweite Liga Neuland darstellt.

Zusätzlich zu den geringen Anpassungsproblemen der Zweitliganeulinge im Team, befinden sich einige Spieler, die bereits Erfahrung in dieser Klasse haben, in bestechender Form: Dominik Stroh-Engel trifft weiter. Fünf Tore in fünf Spielen plus zwei Vorlagen sind ein hervorragender Wert. Auch Marcel Heller ist derzeit nicht zu stoppen. Der Flügelstürmer versteht es in diesen Tagen hervorragend, seine Stärken richtig einzusetzen: In der abgelaufenen Saison traf die Nummer 20 des Öfteren die falsche Entscheidung, entschied sich für ein Abspiel anstatt selbst zu schießen oder umgekehrt. Bislang zeigt der 28-Jährige, wie viel er für sein Team wert sein kann: Hellers Dribblings, Flanken, Einsatz verkörpern gehobenes Zweitliga-Niveau, und im letzten Spiel gegen Aue traf er auch noch zum 1:0. „Es läuft gut im Moment, ich habe aber nichts groß geändert. Ich bin mit Spaß und Freude bei der Sache und versuche mein Spiel durchzubringen“, sagt Heller.

„Wir müssen in jedem Spiel alles geben, um erfolgreich zu sein“

Auf der Suche nach dem bislang besten Spiel der „Lilien“ nennt er das intensive 1:1 bei 1860 München (4. Spieltag), Mittelfeldspieler Jerôme Gondorf sieht dagegen das 2:0 gegen Aue vorne: „Besonders die erste Hälfte war bislang das Beste der laufenden Saison. Wir haben kaum etwas zugelassen und sehr gut nach vorne gespielt.“ Generell wusste die Mannschaft in jeder Partie zu gefallen, allerdings „haben wir gemerkt, dass wir in jedem Spiel alles geben müssen, um erfolgreich zu sein“, gibt Sandro Sirigu zu bedenken. Das Umfeld jedenfalls wähnt sich momentan im siebten Himmel. Der Zuschauerschnitt ist so hoch wie noch nie in der langen Zweitliga-Geschichte der Darmstädter, genauso wie sich die Stimmung im Merck-Stadion am Böllenfalltor dem höheren Niveau angepasst hat. Außerdem ist die Verbindung zwischen Fans und Team schon seit langer Zeit außergewöhnlich. Dennoch ist den meisten Anhängern bewusst, dass es ebenfalls schnell in die andere Richtung gehen kann. Doch dieses Szenario wird derzeit bewusst ausgeblendet. Am Böllenfalltor haben sie das Genießen gelernt.

FOTO: Claus Krentscher