Freiburg muss sich in giftiger Atmosphäre geschlagen geben
Ziemlich beste Freunde, so wurden die beiden Trainer vor dem Zweitliga-Topduell am Samstag zwischen dem SC Freiburg und dem VfL Bochum ironisch bezeichnet und dargestellt. Das Miteinander, welches rund um die Partie und auf der nachfolgenden Presskonferenz eigentlich nicht existent war, bestätigte diese Vermutung. Christian Streich und Gertjan Verbeek sind menschlich einfach inkompatibel. Ein ähnlicher Eklat wie in der Vergangenheit, als der Niederländer mit dem 1.FC Nürnberg im Schwarzwald zu Gast war, blieb diesmal aber aus. Diskutiert wurde nach dem Spiel eher über Schiedsrichter Peter Sippel und den Einfluss seiner Entscheidungen auf den Ausgang der Partie. Ein logischer Vorgang, wenn eine Mannschaft am Ende nur noch neun Akteure auf dem Feld hat – an diesem Tag aber eigentlich nicht notwendig.
Der erste kleine Rückschlag an einem in der Folge gebrauchten Tag ereilte den SC Freiburg bereits vor dem Anpfiff: Der bislang in dieser Saison bärenstarke Maxi Philipp musste krankheitsbedingt passen, für ihn rückte Vegar Hedenstad in die Startformation. Bei den Gästen begannen mit Felix Bastians und Marco Terrazzino zwei ehemalige SCler. In Hälfte eins war die fußballerische Kost nicht besonders aufregend. Beide Teams wollten zunächst sicher stehen, speziell die Bochumer agierten aus einer tiefstehenden Defensive und es war klar erkennbar, warum sie sich zuletzt so stabil präsentierten. Lediglich die Freiburger Torgarantie Nils Petersen konnte zweimal, jeweils auf Vorarbeit von Vincenzo Grifo, gefährlich werden – mehr gelang aber auch ihm nicht. Dass es torlos zum Pausentee ging konnte bis dato niemanden überraschen.
Die Schlüsselszene der umkämpften Partie ereignete sich dann wohl nach 57 Minuten. Mensur Mujdza, nach einem übermotivierten Zweikampf in der ersten Hälfte schon verwarnt, traf im Luftduell seinen Gegenspieler mit dem Arm im Gesicht – die Absicht mochte man ihm nicht unterstellen, eine zweite gelbe Karte war aber wohl vertretbar. Die Breisgauer mussten also fortan zu zehnt weitermachen und es zeigte sich deutlich, dass das Konstrukt ihrer neu zusammengestellten Mannschaft noch einigermaßen instabil ist. Die Gäste aus dem Ruhrpott nutzen ihre zahlenmäßige Überlegenheit routiniert aus und wurden bereits kurze Zeit später belohnt. Youngster Onur Bulut konnte etwas glücklich aus naher Distanz Keeper Schwolow überwinden – ein Schock, von dem der Erstligaabsteiger sich an diesem Tag nicht mehr erholte. Die Bochumer bekamen hingegen noch mehr Rückenwind und hatten zudem mit Simon Terrodde einen Torjäger in ihren Reihen, der einfach einen Lauf hat. Mit zwei sehenswerten Treffern jeweils im Fünf-Minuten-Abstand stellte er das Ergebnis auf 0:3 und sicherte die Tabellenführung für die Blau-Weißen.
Der sehenswerte Ehrentreffer von Marc Torrejon in der 83. Minute blieb ebenso nur noch eine Randnotiz wie die glatte rote Karte für den Spanier einige Momente später. Sein Einsteigen gegen Timo Perthel wurde zu Recht als grob unsportlich bewertet und macht die Personalsituation für Trainer Streich am kommenden Spieltag nicht besser. Am Ende siegte der VfL Bochum also 3:1 beim SC Freiburg und zementierte seinen Traumstart in die Saison. Die Euphorie im Schwarzwald hingegen ist erst einmal gedämpft.