Hannover: Fan-Proteste für Leitl eine Grenzüberschreitung

Die Protestaktionen der Fans von Hannover 96 am Rande des Duells mit dem SV Sandhausen gegen die vorherigen Enttäuschungen durch die Mannschaft in der Rückrunde hat auch noch vor dem Nordderby der Niedersachsen beim Hamburger SV hohen Wellen geschlagen. Trainer Stefan Leitl empfand bei allem Verständnis für die Unzufriedenheit der Anhänger durch die Unmutsbekundungen des Anhangs Grenzen überschritten.

"Nicht okay, wenn Mannschaft verhöhnt wird“

"Wir können gut mit Kritik umgehen. Kritik ist auch berechtigt. Es ist auch absolut okay, dann vielleicht mal nicht ins Stadion zu kommen, zu pfeifen oder einen Stimmungsboykott durchzuziehen", meinte Leitl auf der Spieltagspressekonferenz und zog anschließend entschieden eine rote Linie: „Was absolut nicht ok ist, ist, dass die Mannschaft verhöhnt wird."

Der Coach zielte vor allem auf den Spott von den Rängen gegen seine Spieler im vergangenen Heimspiel. Im Verlauf der Begegnung mit Sandhausen (3:1) waren besonders Ballverluste der bis dahin in der zweiten Saisonhälfte noch sieglosen Gastgeber von vielen 96-Fans mit hämischem Beifall quittiert worden. Vor dem Anstoß verließen viele Anhänger der Platzherren aus Protest die Tribünen, während zahlreiche verbliebene Fans das 96-Team auspfiffen. In der Kurve verdeutlichten die Fans mit einem Banner "Heute auch auf den Rängen - Null Motivation, kein Kampf, kein Einsatz - Unterstützung müsst ihr euch verdienen“ ihre Ansprüche an Leitls Team.

Leitl reichte den Fans aber auch die Hand durch den ausdrücklichen Dank für die Unterstützung gegen Sandhausen durch das Gros des Publikums. "In unserer Situation ist es wichtig, dass alle eng zusammenstehen“, erklärte der 45-Jährige.

In Hamburg trotz Negativserie "bessere Ausgangslage“

Eine Wiederholung der Ereignisse aus der Vorwoche erwartet Leitl beim Auftritt beim HSV durch die rund 5000 Gästefans nicht. "Ich gehe davon aus, dass die 96er, die nach Hamburg reisen, die Mannschaft auch unterstützen wollen und werden“, sagte der Ex-Profi.

Nach acht Spielen in fremden Stadien ohne Sieg rechnet Leitl trotz der längsten Auswärtsdurststrecke der 96er seit über 20 Jahren an der Elbe allerdings auch mit einer veränderten Erwartungshaltung des eigenen Anhangs: "Wir sind in Außenseiterrolle, haben aber nach dem Sieg gegen Sandhausen auch eine bessere Ausgangslage.“

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