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Hannover: Kind backt kleine Brötchen

© imago images / Joachim Sielski

Vereinsboss Martin Kind backt bei Hannover 96 nach der misslungenen Saison für die nähere Zukunft kleinere Brötchen. Entgegen seiner vollmundigen Ankündigungen in den beiden vergangenen Jahren will der Unternehmer für die kommende Spielzeit vom Wiederaufstieg nichts wissen – offenbar auch aus finanziellen Gründen.

"Aufstieg für kommende Saison kein Thema“

"Für die kommende Saison ist ein Aufstieg kein Thema“, schraubte Kind auf der 96-Homepage die Erwartungen an den neuen Trainer Jan Zimmermann und die Mannschaft ungewöhnlich frühzeitig herunter: "Es wäre taktisch und strategisch falsch, dieses Ziel zu benennen."

Vor Beginn der abgelaufenen Saison hatte der 77-Jährige einzig die schon im ersten Jahr nach dem Bundesliga-Abstieg verpasste Rückkehr ins Oberhaus als Ziel gelten lassen wollen. Entsprechend enttäuschend ist der 13. Platz der Niedersachsen in der Abschlusstabelle gewesen, sodass die frühzeitig angekündigte Trennung vom glücklosen Chefcoach Kenan Kocak zum Saisonende keine Überraschung bedeutete. "Wir haben unsere Ziele nicht erreicht, es war eine verlorene Saison“, resümierte Kind ernüchtert.

Sämtliche Erstliga-Ambitionen hat Kind allerdings noch nicht aufgegeben. Mittelfristig bleibe "der Aufstieg unser Ziel, aber mit Nachhaltigkeit und Stabilität, um dann auch wettbewerbsfähig in der 1. Liga aufgestellt zu sein". In der nächsten Runde aber soll Hannover unter Kocaks Nachfolger Zimmermann jedoch zunächst lediglich wieder "attraktiven Fußball“ zeigen und "eine Basis schaffen mit einer Mannschaft, mit der sich die Zuschauer identifizieren können".

Zehn Millionen Euro Verlust

Statt mit der Brechstange will der 96-Hauptgesellschafter nun durch kontinuierliche Aufbauarbeit den Weg nach oben ebnen. "Die Infrastruktur steht. Jetzt gilt es, die sportliche Struktur so zu entwickeln, dass wir uns dann in der 1. Liga wieder etablieren können." Ausgerechnet der ehrgeizige Klubboss warnt dabei vor überhöhten Ansprüchen: "Hannover 96, die Landeshauptstadt und die Region gehören in die 1. Liga. Aber erst einmal sind Realismus und Vernunft gefordert, das bedeutet eine Zeitachse für den Wiederaufstieg von einigen Jahren – und auch Geduld."

Kinds neue Bescheidenheit ist womöglich auch den beschränkten Möglichkeiten durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie geschuldet. Der Ausfall der Zuschauereinnahmen riss jedenfalls ein großes Loch in Hannovers Kasse, wie Kind durchblicken ließ: "Wir werden mit einem Verlust abschließen, der größer als 10 Millionen Euro sein wird."