Heidenheim: Frahn erlöst die Fans und sich selbst
Man hätte es ahnen können. Der Leipziger Publikumsliebling Daniel Frahn, Rekordtorjäger der Leipziger, wechselte nach einigen Unstimmigkeiten im Sommer zum FCH. Dort blieb er bis zum siebten Spieltag ohne Tor, doch ausgerechnet gegen seinen Ex- Verein traf Frahn. Zuvor hatte Marcel Halstenberg die Gäste in Führung gebracht. Trotz einer strittigen Situation in der letzten Spielminute blieb es am Ende beim 1:1 (0:1).
Falschgeld sorgt für Unmut
Im Vorfeld der Partie zwischen dem 1. FC Heidenheim und den Gästen aus Leipzig ging es hoch her. So kam der Verein dem Anliegen der Heidenheimer Fans entgegen und verzichtete während der Partie auf das Logo der Leipziger. Eine Überraschung gab es für die Gäste dann noch direkt vor dem Stadion. In Anzügen und mit Aktenkoffern ausgestattet erwartete man den gegnerischen Mannschaftsbus. Diesen bewarf man dann mit eigens angefertigten Dollarscheinen, die durch den Dauerregen am Bus kleben blieben. Diese gewaltfreie Protestaktion wurde von der Polizei aber nicht geduldet und so kam es direkt vor dem Stadion zu einer regelrechten Verfolgungsjagd gegen diese Personen. Der Eingang der Hintertortribüne wurde vorübergehend gesperrt und so bildete sich eine lange Schlange von Personen, die auf den Einlass warten musste. Durch das Eingreifen und unterbrechen der friedlichen Protestaktion wurde es unnötiger Weise sehr hektisch außerhalb des Stadions. Letztendlich löste sich die Situation aber auf und es konnte sich auf das Geschehen auf dem Platz konzentriert werden.
Systemumstellung zeigt nur kurz Wirkung
Frank Schmidt wollte dem offensivstarken Gegner mit einem kompakten Mittelfeld entgegenwirken. So ließ er sein Team in einem 4-3-1-2 auflaufen. Marcel Titsch-Rivero feierte nach langer Verletzung sein Comeback und agierte als dritter Sechser vor der Viererabwehrkette. Davor agierte Kapitän Marc Schnatterer, der sich aber immer wieder auf einen der beiden Flügel fallen ließ. In vorderster Front spielten Frahn und Smail Morabit. Mit dieser Aufstellung schien Gäste Trainer Ralf Ragnick nicht gerechnet zu haben. In der ersten viertel Stunde standen die Heidenheimer sehr kompakt und hielten die Gäste weit weg vom eigenen Strafraum. Diese fanden kein probates Mittel, um sich klare Chancen herauszuspielen. Anders der FCH, der durch Titsch-Rivero in Führung hätte gehen können. Nach Flanke von Arne Feick köpfte Titsch-Rivero nur Zentimeter am Pfosten vorbei. „Wir haben etwas umgestellt und das hat am Anfang auch sehr gut geklappt. Dann jedoch haben wir etwas den Faden verloren“, so Schmidt zu den ersten Spielminuten. Denn dann stellten sich die Gäste besser auf den gut geordneten Gegner ein. Nach kleineren Chancen war es dann ein Angriff über rechts, der als Ausgangpunkt für die Führung diente. Die Heidenheimer kamen nicht in die Zweikämpfe und am Ende legte Marcel Sabitzer überlegt zu Halstenberg, der dann wenig Mühe hatte ins lange Eck zu vollenden. Und es hätte für den FCH noch schlimmer kommen können. Wieder war es Sabitzer, der die Übersicht behielt und auf Dominik Kaiser ablegte. Dessen Schuss aus 19 Metern klatschte nur an den Winkel. Schmidt fasste die erste Halbzeit kurz und auf den Punkt zusammen. „Wenn man die erste Halbzeit sieht, war die Führung für Leipzig auch absolut verdient.“
Frahn erlöst die Fans und sich selbst
Zur Halbzeit wechselte Schmidt auf sein bewährtes 4-4-2 System. Robert Leipertz kam für Titsch-Rivero in die Partie. Der neue Mann brachte umgehend neuen Schwung in das Angriffsspiel der Hausherren. Über rechts drang Leipertz in den Strafraum ein und wurde dabei von Halstenberg sehr robust weggedrückt. In dieser Situation hätte man bereits über einen Elfmeterpfiff nachdenken können. In der 61. Spielminute gab es dann aber keine zwei Meinungen mehr. Morabit schickte abermals den agilen Leipertz auf die Reise. Aus vollem Lauf wurde er dann sehr unsanft von Willi Orban von den Beinen geholt. Schnatterer blickte sofort zu Frahn und drückte ihm den Ball in die Hände. Dieser ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und traf zum Ausgleich halbhoch ins rechte Eck. „Ich muss mich bei unserem Kapitän Marc Schnatterer bedanken, der mir den Elfmeter überlassen hat. Dies zeigt einfach, dass wir eine geschlossene Mannschaft sind, in der jeder dem anderen etwas gönnt“, sagte Frahn nach seinem erlösenden, ersten Saisontreffer. In den Schlussminuten drängten die Gäste auf den Siegtreffer. Im Abschluss zielten sie jedoch nicht genau genug, um das Tor von Jan Zimmermann ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. In der 90. Minute kochten die Emotionen noch einmal hoch. Sebastian Heidinger klärte den Ball gerade noch rechtzeitig vor dem eingewechselten Yussuf Poulsen, der mit seinem Schussansatz nur die Ferse von Heidinger traf. Schiedsrichter Guido Winkmann zeigte jedoch auf den Punkt. Nach langen Protesten, in welche auch die Leipziger auf Winkmann einredeten, besprach sich dieser kurz mit seinem Assistenten. Nach dem kurzen Austausch nahm Winkmann richtigerweise seine Entscheidung zurück und das Spiel wurde mit einem Schiedsrichterball weitergeführt. „Es wäre extrem bitter für uns gewesen, wenn der Schiedsrichter bei seiner Entscheidung bleibt, weil es einfach kein Elfmeter war“, zeigte sich Schmidt nach der kuriosen Szene deutlich erleichtert. Somit mussten sich die drückend überlegenen Gäste mit nur einem Punkt begnügen. Schmidt sprach von einem „glücklich erreichten Punkt“, mit dem die Heidenheimer sehr gut leben können. Auf Grund der englischen Woche geht es für den FCH bereits am Mittwoch beim FC St. Pauli weiter, ehe am darauffolgenden Sonntag der Karlsruher SC in der Voith-Arena empfangen wird.