Heidenheimer Derbysieg – Aalener Tristesse
Das Wichtigste vornweg. Derbysieger! Doch bis zum Abpfiff und dem damit verbundenen Derbysieg, war es ein langer und anstrengender Weg. Das Derbyfieber packte einen schon Tage zuvor. Dann wurden jene Tage herunter gezählt. Am Matchday kribbelte es dann so richtig, oder wenn man es mit den Worten von FCH-Geschäftsführer Holger Sanwald ausdrücken möchte, man hatte „Ameisen in der Hose“. Um ca. 13:30 Uhr dann endlich am Stadion angekommen und schon jetzt stachen einem die ganzen rotbekleideten Personen und Autos ins Auge. Besonders bemerkenswert war, dass selbst aus den Regionen Ulm, Biberach, Wiesbaden und sogar Leipzig Autos mit FCH-Utensilien zu sehen waren.
Rote Invasion auf der Ostalb
Natürlich waren bei diesem Spiel viel Polizei und Ordner anwesend. Doch alles außerhalb des Stadions verlief ruhig. Auch als man seine Tageskarte zückte und dann in den Gästeblock wollte, verliefen die Kontrollen sehr locker. Nachdem man seine Taschen geleert hatte und gründlich von oben bis unten abgetastet wurde, bekam man noch ein nettes „viel Spaß“ mit auf den Weg. Im Innebereich wurde es dann schnell heimelig. Ein kleines Häuschen für Getränke und ein kleines für Essen. Es war durchaus bekannt, dass die Heidenheimer den Gästeblock voll machen würden. Da hätte man sich durchaus was einfallen lassen können, um die Wartezeiten etwas zu verkürzen. Und überall waren diese rotgekleideten Menschen, die auch im Gästeblock und in den angrenzenden Blöcken ein unglaubliches Bild abgegeben haben. Am Ende waren es schätzungsweise 2.500 Heidenheimer, die trotz aller widrigen Umstände sich Karten für das Derby sichern konnten. Im Gästeblock selbst wurde man von einem überdimensionalen Lautsprecher zugedröhnt, sodass selbst ein Gespräch mit dem Nachbarn nicht in normaler Lautstärke geführt werden konnte.

Heidenheim unterstützt die Aalener Choreo
Die Spieler begaben sich nach dem Aufwärmen in die Kabine. Im Gästeblock gab es nun Anweisungen für die bevorstehende Choreo. Nicht immer alles verständlich, aber nachdem man den Lautsprechern getrotzt hat, war jedem klar was er zu tun hatte. Im ersten Teil hielt man blaues und rotes Papier nach oben. Dann wurden aus zwei Abteilungen drei gemacht und man reckte in den verschiedenen Bereichen das Vereinswappen, das Stadtwappen und noch das „Osttribüne“-Logo in die Höhe. Und auf der Gegenseite? Da kündigten die Hausherren eine noch nie dagewesene Choreo an und gingen an den Spieltagen zuvor auf Spendensuche. Dieses Vorhaben unterstützen die Heidenheimer mit einer Spende von 18,46€, die Sie persönlich in der Geschäftsstelle des VfR abgegeben haben. Als „Highlight“ sah man eine schwarz-weiße Figur, die den abgeschnitten Kopf des Heidenheimer Stadtwappens in den Händen hielt. Vielleicht eine Fortsetzung aus dem Hinspiel, als einige Ultras in der Heidenheimer Innenstadt Reste von Schweinen vor den Geschäften platzierten. Nachdem ganzen Vorgeplänkel ging es dann auch endlich auf dem Rasen zur Sache. Der in rot spielende FCH kam gut in die Partie. Setzte den VfR gut unter Druck, auch wenn sich noch keine Chance ergeben wollte.
Zwei Chancen, zwei Tore, Spiel gedreht
Dann folgte plötzlich der Schock. Ein kurz ausgeführter Freistoß, eine Flanke, ein Kopfball und schon stand es 0:1 aus Heidenheimer Sicht. „Total schlafmützig“, war noch der harmloseste Gedanke zu diesem Zeitpunkt. Ein Tor, das man durchaus hätte verhindern können, aber man war in dieser Situation einfach nicht auf der Höhe. Dann folgte etwas Leerlauf, aber der VfR schien sich nun immer besser zurechtzufinden. So überraschend wie der Führungstreffer fiel dann auch der Ausgleich. Morabit hat auf rechts gut nachgesetzt, Niederlechner zieht aufs Tor und legt ab auf Schnatterer, der eiskalt einschiebt. 1:1! Nach dem kleinen Durchhänger auf dem Rasen und auch im Gästeblock waren nun wieder alle bei der Sache. Sogar vor der Halbzeit gelang dann noch der zweite Streich. Der überragend spielende Niederlechner setzte sich energisch gegen drei Gegenspieler durch und vollendete. „Jaaaaaa“, die Erleichterung war spürbar. Genau zum richtigen Zeitpunkt schaltete das Team noch einen Gang hoch und drehte so die Partie vor der Halbzeit innerhalb von nur wenigen Minuten. Auf den anderen Plätzen punkteten die Konkurrenten des VfR, sodass für diese nur ein Sieg zählen konnte. So kamen die Hausherren auch überaus druckvoll aus der Kabine. Bereits nach wenigen Sekunden totale Verwirrung im eigenen Strafraum. Irgendwie konnte der Ball dann doch geklärt werden. Es sollte aber nicht lange dauern, da durften die Heimfans wieder jubeln – es sollte der letzte Jubel an diesem Tag bleiben. Der Ausgleich beflügelte den Tabellenletzten. „Die schwimmen total“, hörte man nun öfters um einen herum. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis dem VfR der abermalige Führungstreffer gelingen sollte. Nach einem Eckball klatschte das Spielgerät dann auch an den Pfosten. Noch einmal Glück gehabt! Man durfte jenes Glück aber nicht zu sehr strapazieren, aber irgendwie wollte es nach vorne nicht so klappen wie erhofft. Der Gästeblock mobilisierte dann auch den Sitzplatzbereich, um bei den Gesängen, Hüpf- und Klatscheinlagen mitzumachen. Dies haben die Spieler wohl gebraucht, denn nun fand man wieder besser in die Partie, auch wenn man noch einige wacklige Aktionen in der Defensive zu überstehen hatte.
Rote Unterstützung sogar im Heimplatzbereich
Es war dann wieder Niederlechner, der im Strafraum einfach nicht vom Ball zu trennen ist und nur unfair von den Beinen geholt wurde. Elfmeter! Schnatterer hat den Ball, aber er gab ihn sofort an Leipertz weiter. Dieser legt sich den Ball zurecht. Die Anspannung war groß. Es verging etwas Zeit, bis der Ball freigegeben wurde. Dann der Anlauf von Leipertz. Es sah aus wie eine Zeitlupe, aber es war das reale Tempo, mit dem Leipertz eher zum Ball schlich, als ernsthaft Anlauf zu nehmen. Der Schuss…und Tor! Da war sie wieder, die Führung! Es machte die Runde, dass die anderen Teams im Keller fleißig punkten. Damit wäre der VfR abgestiegen. Die ersten Taschentücher wurden gezückt und die „Absteiger“-Rufe dürften wohl auch noch in der Innenstadt zu vernehmen gewesen sein. Die VfR-Spieler ließen sich aber nicht hängen und drückten wieder. Einen Schuss fischte „Zimbo“ aus dem Winkel, der Nachschuss klatschte wieder nur gegen das Aluminium. Die Zeit lief für den VfR nun allmählich davon. Der Unmut der VfR-Anhänger weitete sich immer weiter aus. Zu Beginn zündeten Sie einige Pyros in ihrem Block ab. Mit diesen rotleuchtenden Pyros wollten sie vielleicht schon vorzeitig zum Derbysieg gratulieren?! Dabei blieb es jedoch nicht. Es wurden diverse Heidenheim-Utensilien verbrannt, die für eine pechschwarze Rauchwolke verantwortlich waren. Der ohnehin schon finanziell angeschlagene Verein wird somit noch einmal zur Kasse gebeten. Mit dieser Aktion zogen sie auch den Unmut der eigenen Fans auf sich, die die Aktionen mit Pfiffen quittierten. Auf dem Feld ging es um einiges freundlicher zu. Beide Teams spielten hart, aber nie unfair. Etwas zu genau mit der Gastfreundschaft nahm es dann VfR-Torhüter Bernhardt. Gegen Niederlechner war er etwas zu sorglos. Dieser verhinderte einen Abschlag und vom Pfosten gelang der Ball wieder zu Niederlechner, der Bernhardt ganz cool überlupfte und den Ball anschließend ins leere Tor schoss. Das war die Entscheidung!
Derbysiegerschals für die Spieler
Fluchtartig verließen nun zahlreiche Zuschauer das Stadion. Natürlich waren darunter keine rotgekleideten Zuschauer, denn diese fieberten den anschließenden Feierlichkeiten entgegen. Es folgte der Abpfiff. Der Jubel kannte keine Grenzen. Auf Grund der anderen Ergebnisse stand dann auch der Abstieg des VfR fest. Welch unglaublich bitte Situation muss das für jeden VfR-Anhänger gewesen sein. Gut gespielt, dennoch das Derby verloren und dann auch noch abgestiegen. Im Moment des Glücks und des Sieges konnte daran aber kein Gedanke vergeudet werden. Die Spieler erhielten „Derbysieger“-Schals, mit denen sie auf den Zaun kamen, um gemeinsam mit den Fans den Sieg zu feiern. Neben „Derbysieger“-Rufen, streute man mit „Absteiger“-Gesängen noch etwas Salz in die offene Wunde der Hausherren. Zu groß war die Freude über den Sieg und die geglückte Revanche nach der bitteren Niederlage aus dem Hinspiel. Langsam leerte sich dann der Gästeblock. Aus dem Stadion raus sah man wieder das gleiche Bild. Viel Polizei, aber alles friedlich und keine Vorkommnisse rund um das Stadion. So ging es mit einem guten Gefühl und einem breiten Lächeln im Gesicht zurück nach Heidenheim.