"Katastrophale Einsatztaktik": KSC-Fanhilfe übt scharfe Kritik an Polizei

Den Sonntag dürften die Anhänger des Karlsruher SC schnellstmöglich vergessen wollen. So setzte es nicht nur eine 0:3-Pleite im Derby beim VfB Stuttgart, auch sahen sich viele Fans durch polizeiliche Maßnahmen unverhältnismäßig behandelt – in einer Stellungnahme fanden die Supporters Karlsruhe 1986 e.V. sowie die Fanhilfe Karlsruhe diesbezüglich klare Worte. 

Rund 600 KSC-Fans verpassten das Derby 

Ganze dreimal kamen Vertreter der Polizei, des Karlsruher SC sowie des KSC-Fanprojekts vor der Partie zusammen, um ein adäquates Sicherheitskonzept für den Derby-Sonntag auszuarbeiten. Insbesondere die Anreise der Fans mit Bus und Bahn sei dabei Thema gewesen. Die Besprechungen jedoch hätte man sich laut den KSC-Supporters auch sparen können. Denn das "Sicherheitskonzept wurde auf Grund des Pyrofundes am Vortag im Gästeblock kurzfristig und nicht abgesprochen geändert. Weder das Fanprojekt Karlsruhe noch die Vereine wurden in diese Entscheidung miteinbezogen."

Mit dem Bus anreisende Karlsruher durften entgegen der Absprachen nicht bis zum Gästeeingang vorfahren. Dabei blieb es allerdings nicht: "Am Stadion selbst wurden ca. 600 ankommende Fans separiert und einer extra Kontrolle zugeführt. Diese wurden von der Polizei durchsucht und sollten anschließend das Spiel besuchen dürfen." Auch dazu kam es nicht. Wie die KSC-Fanvertretungen berichten, seien die betreffenden Personen im Anschluss noch einmal erkennungsdienstlich überprüft worden, hätten fünf Stunden im Polizeikessel ausharren müssen – und dadurch zu allem Überfluss die Partie verpasst. Einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" zufolge reagierte die Polizei mit der Maßnahme auf Böllerwürfe von Personen aus der besagten Gruppe. Die 23 und 32 Jahre alten Männer seien im Nachgang anhand von Videoaufzeichnungen ermittelt worden, heißt es.

Schlechte Stimmung? "Der Polizei zuzuschreiben"

Die Fanhilfe Karlsruhe zeigt keinerlei Verständnis für die Vorgehensweise der Polizei, fühlt sich vielmehr hintergangen: "Wir verurteilen die katastrophale Kommunikation und Einsatztaktik der Polizeiführung, die erkennungsdienstliche Maßnahme für 600 Personen und fordern lückenlose Aufklärung." Weiter war die Rede von einem "erheblichen Vertrauensverlust". Für Supporters und Fanhilfe ist damit klar: "Schließlich ist es der Polizei zuzuschreiben, dass dieses sonst so stimmungsvolle Derby heute zu den stimmungsärmsten in der Geschichte zählen wird."

Bei den Beamten selbst stößt die Kritik nicht unbedingt auf Einsicht. Julia Buchen, Leiterin der Bundespolizeiinspektion Stuttgart: "Das primäre Ziel, in unserem Zuständigkeitsbereich eine konsequente Fantrennung zu gewährleisten und damit Ausschreitungen zwischen den rivalisierenden Fanlagern zu verhindern, konnte insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mit der Landespolizei erreicht werden." Viele Fans, die bereits frühzeitig im Stadion waren, solidarisierten sich mit den ausgesperrten Anhängern und verließen den Block. Entsprechend groß waren die Lücken. Ein Sonntag zum Vergessen also.

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