• Facebook
  • Twitter

Kiel wirft Bayern raus! "Diesen Abend wird keiner jemals vergessen"

© imago images / Holsteinoffice

Im Schneegestöber von Kiel machten die Störche die Sensation perfekt und schmissen den FC Bayern München im Elfmeterschießen heraus! Mit sechs verwandelten Elfmetern grenzte die Kieler Leistung nahezu an Perfektion, denn viele Fehler durfte sich die Elf von Cheftrainer Ole Werner gegen den Titelverteidiger ohnehin nicht erlauben. Gepaart mit dem nötigen Matchglück war der große Wurf möglich.

"Freude pur, Ekstase"

Es war kurz vor Mitternacht, ein unaufhörliches Schneegestöber setzte über dem Kieler Holstein-Stadion ein, der steife Wind wehte den Ball vom Elfmeterpunkt weg. Ob die Mannschaft von Ole Werner, aufgereiht an der Mittellinie und Arm in Arm bangend wartend, die Kälte überhaupt spürten? Es ist nicht überliefert. Nur das Lächeln von Fin Bartels fiel vor Millionenpublikum auf, als der ehemalige Bremer den parierten Elfmeter der Bayern beobachtete – und dann schritt der 33-Jährige zur Tat, versenkte den sechsten Kieler Schuss fast lässig und machte die Sensation eine frühen Bayern-Aus im DFB-Pokal perfekt!

"Es ist unfassbar", beschrieb Bartels die Tatsache, dass Kiel den Zweitrunden-Sieg gegen Bayern feiern durfte. Nach dem verwandelten Elfmeter wusste der 33-Jährige augenscheinlich nicht einmal, in welche Richtung er zuerst jubelnd abdrehen sollte. Auch während des ruhenden Balls war sich der Kieler Angreifer nicht unbedingt sicher, wie er gegenüber "Spox" verriet: "Ich bin ja kein klassischer Elfmeterschütze, aber heute musste ich mal ran. Während des Anlaufs hab ich noch überlegt, welche Ecke. Es war Freude pur, Ekstase." Die Kieler Jubeltraube wuchs schnell, im Zentrum natürlich mit Bartels und KSV-Keeper Ioannis Gelios. Der Torhüter versprach unmittelbar danach: "Diesen Abend wird keiner in Kiel, kein Spieler, kein Fan, kein Mensch jemals vergessen."

"Viele verwirrte Menschen"

Bis zum Jubel der Kieler verging ein langer Abend. Bayern ging durch einen Abseitstreffer von Serge Gnabry in Führung, der Videoassistent war im Zweitrunden-Match nicht zugeschaltet. Bartels glich im ersten Abschnitt aus, ehe Leroy Sané einen Freistoß perfekt in die Maschen setzte. Das knappe Ergebnis hielt bis kurz vor Schluss, die Bayern schienen sich über die Zeit zu retten. Dann versenkte Hauke Wahl in der letzten Sekunde mit der rechten Schulter zum Ausgleich – und der Rest ist inzwischen bekannt. "Das lange Wachbleiben hat sich gelohnt. Es ist ein außergewöhnliches Erlebnis für uns und für alle Kieler", fasste KSV-Cheftrainer Ole Werner seine Gefühlswelt auf der Kieler Homepage zusammen.

Dass die Bayern das Spiel zum größten Teil bestimmen, war dem 32-Jährigen vorher schon klar. "Aber wir sind bei unserem Plan geblieben", lobte Werner sein Team, das die Chance mit fortlaufender Spieldauer am Leben erhielt. Dass die Störche diese dann auch wirklich nutzten, hatte wohl nicht nur für pure Freude, sondern auch für Verwirrung gesorgt – so jedenfalls der Coach gegenüber dem "NDR" nach der Partie: "Ich habe in der Kabine viele verwirrte Menschen getroffen, insofern musste ich es kurz halten und auf wenige Worte begrenzen. Außergewöhnliche Leistung meiner Mannschaft heute."

Darmstadt im Achtelfinale

Über die Eventualitäten, was bei einem Kieler Sieg in Richtung Feierlichkeiten möglich, gab Werner vor dem Spiel noch spontane Überlegungen an. Den ersten Vorschlag machte dann aber Fin Bartels, der das erste Zweitrunden-Aus der Bayern nach 20 Jahren perfekt machte: "Jetzt gönnen wir uns ein paar Bierchen." Im kommenden Achtelfinale trifft Kiel jetzt im Holstein-Stadion auf den SV Darmstadt 98.