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Kommentar: Würzburg überrascht erneut im eigenwilligen Stil

IMAGO / foto2press

Was ist los in Würzburg? Das werden sich viele Fußballfans – darunter nicht nur Anhänger des FWK – gefragt haben, als am Freitag die Trennung von Bernhard Trares bekannt wurde. Letzte Impulse setzen, die letzte Patrone nutzen, den letzten Versuch zur Rettung unternehmen? Das ist als Beweggrund alles klar. Doch die Argumentation und der Zeitpunkt muten merkwürdig an. Ein Kommentar.

FWK droht jetzt Unerfahrenheit

Vor Kurzem beschloss die brasilianische Liga, dass nur noch einmal pro Saison der Trainer getauscht werden darf. Ein Modell, das im deutschen Profifußball wohl undenkbar wäre. Glaubte man bisher, dass der FC Schalke 04 in der Beletage den Vogel mit fünf verschiedenen Übungsleitern in einer Spielzeit abschoss, dann haben die Wenigsten noch mit den Würzburger Kickers gerechnet. Dort erweckte zwar bereits die Entlassung von Aufstiegstrainer Michael Schiele nach zwei Spieltagen Aufmerksamkeit – und auch die Fünf-Spiele-Amtszeit von Marco Antwerpen war anschließend überschaubar kurz -, aber mit Bernhard Trares schien der Verein vom Dallenberg zumindest auf der Position an der Seitenlinie wieder gefestigt zu sein.

Dachte man jedenfalls. Denn Bernhard Trares – Trainer Nummer drei in dieser Saison – ist weg – zwei Tage vor dem wichtigen Spiel gegen Sandhausen. Um "vielleicht doch noch den einen oder anderen Impuls setzen zu können" wirkt als Argumentierung in diesem Fall äußerst dünn. Zumal kein adäquater Nachfolger bereitsteht. Mit Nachwuchsleiter Ralf Santelli übernimmt vorerst ein Coach, der gerade mal sieben Drittliga-Spiele als Erfahrung vorweisen kann – vor zwölf Jahren. Dazu Sebastian Schuppan, der sich nun binnen neun Monaten vom gefeierten Elfmeterschützen über den Sportvorstand zum Interimstrainer entwickelte. Welchen Impuls dieses unerfahrene Konstrukt einer Mannschaft vor einem möglicherweise entscheidenden Spiel geben soll, erschließt sich wohl nur den Würzburger Verantwortlichen – die wiederum die Spieler jetzt in der Bringschuld sehen.

Keine Reaktion vor Länderspielpause

Traurig, entsetzt oder überrascht wirkte Trares in seinem Statement zur Entlassung jedenfalls auch nicht, er stellte die Gesamtsituation fairerweise über seine eigene Person. Aufgefallen war der Coach tags zuvor jedoch schon in der Pressekonferenz, als er seine Mannschaft dadurch einstimmte, dass er sagte: "Da muss schon Sandhausen kommen für den zweiten Auswärtssieg." Alles über diesen Wortlaut hinaus ist Spekulation – demnach auch die Frage, ob die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft oder Verein überhaupt noch stimmte.

Fraglich ist neben der generellen Entscheidung der Entlassung außerdem auch der Zeitpunkt. Nicht nur, dass es nur zwei Tage bis zum nächsten Spiel sind, es ist bekanntermaßen auch zwei Wochen nach der letzten Partie – die dazwischenliegende Länderspielpause blieb entsprechend ungenutzt, um einen potenziellen neuen Coach mit der Mannschaft bekannt zu machen. In der Gesamtbetrachtung gibt der FWK daher aktuell kein besonders souveränes Bild ab. Zeitpunkt und Argumentation für den Trainerwechsel lassen zumindest mutmaßen, dass es sich beim letzten Rettungsversuch um eine relativ spontane Idee handeln könnte. Schaffen Santelli und Schuppan die Wende gegen Sandhausen jedoch, dann wird es sich wohl entgegen aller Erwartungen bezahlt machen. Andernfalls wird auch ein neuer Coach nicht mehr viel ausrichten können, beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz doch bereits jetzt sieben Punkte.