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Luhukay schimpft: "Kannst du alles in die Mülltonnen stecken!"

Was erlauben Luhukay? Das könnte sich der ein oder andere Fan des FC St. Pauli gedacht haben, der die Pressekonferenz des Niederländers vor dem Spiel gegen Bielefeld verfolgte. Jos Luhukay holte zum Rundumschlag gegen seinen Verein aus und will den Klub nun voranbringen.

"Hier herrscht zu viel Bequemlichkeit"

Am Montagabend startet der FC St. Pauli gemeinsam mit Arminia Bielefeld als letzte Mannschaft in die neue Saison 2019/20. Der Baum in Hamburg brennt schon vorher lichterloh – jedenfalls, wenn man Trainer Jos Luhukay fragt. "Die Erwartungshaltung ist groß, die Realität sieht anders aus. Der größte Wunsch wären zehn Spieler, die 25 Spiele schaffen können. Aber dafür braucht man vier Transferperioden", beklagte der Niederländer in der Pressekonferenz vor der Partie, dass ihm zum Saisonstart gleich sieben Spieler fehlen werden. Die Mannschaft habe "kein Gerüst" und "70 Prozent unserer Mannschaft sind nicht in der Lage, zehn bis 15 Spiele pro Saison zu bestreiten".

Mit FCSP-Sportchef Andreas Bornemann sei Luhukay in einem "hervorragenden Dialog", sodass sich bis zum Schluss der Transferphase noch weitere Spieler den Hamburgern anschließen könnten. "Am liebsten auf jeder Position", wünschte sich Luhukay, der sich augenscheinlich mehr auf die sportliche Qualität und weniger den Charakter der Kanidaten konzentriert: "Hier herrscht zu viel Bequemlichkeit. Wir müssen raus aus der Komfort-Zone. Freundschaft unter den Spielern – das kannst du alles in die Mülltonnen stecken!"

Luhukay träumt realistisch

Luhukay sieht den FC St. Pauli auf einem "hammerschweren Weg", denn eine grundsätzliche Mentalitätsveränderung "kostet viel Energie". Und dennoch ist der Niederländer von dem Projekt am Kiez begeistert, will den Klub selsbt vorantreiben: "Ich lebe die maximale Bereitschaft vor. Wir brauchen Professionalisierung in allen Bereichen." Auch seine Mannschaft müsse noch "extrem viele Schritte" machen und genauso viel Bereitschaft zeigen – am besten schon am Montagabend zum Saisonauftakt.

Denn Luhukay hat Ziele: "Die Träume lasse ich nicht aus meinem Kopf, aber ich bleibe besser realistisch." Gemeint ist ein möglicher Einstieg des FC St. Pauli im diesjährigen Aufstiegsrennen. "Unmöglich für uns, unter die ersten Vier zu kommen. Alles über Platz 9 wäre in dieser Saison ein Riesen-Erfolg", dämpfte der 56-Jährige aber jegliche Erwartungen, auch er könne die Mannschaft jetzt noch nicht einschätzen: "Vielleicht aber sind wir nach zehn Spieltagen die Überraschungsmannschaft. Möglich aber auch, dass es um den Klassenerhalt geht." Möglicherweise zeigen die Kiezkicker gegen Bielefeld schon, wozu sie wirklich bereit sind.