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MSV Duisburg: Sind Lieberknecht und Grlic noch zu halten?

Sportlich gesehen steht der MSV Duisburg mit einem Bein in der 3. Liga. Nach dem 2:2-Unentschieden gegen Arminia Bielefeld gibt es kaum noch Hoffnung, dass die Zebras das Fußballwunder schaffen – stattdessen könnte der Abstieg schon am nächsten Spieltag besiegelt werden. Danach steht alles auf dem Prüfstand. Ein Kommentar.

Hoffnung kaum noch vorhanden

"Jetzt sind wir erstmal leer", sagte Kunstschütze Kevin Wolze am "Sky"-Mikrofon nach dem 2:2-Unentschieden der Duisburger gegen Arminia Bielelfeld. Mit einem erneut direkt verwandelten Freistoß nährte der Linksverteidiger die Hoffnung auf ein Fußball-Wunder, doch am Ende des Abends stand trotz 20-minütiger Überzahl das achte Spiel in Folge ohne Sieg auf dem Papier. Fünf Punkte zum Relegationsplatz, neun Punkte zum rettenden Ufer – angesichts der momentanen Verfassung stehen die Zebras bereits mit einem Bein in der 3. Liga. Wenn überhaupt helfen nur noch drei Siege. Wer daran allerdings noch glauben soll, ist schwer zu finden.

Man muss einfach mal ehrlich sein: Entgegen aller Behauptungen von offizieller Seite werden das auch Spieler, Trainer und Verantwortliche bereits in ihren Köpfen haben. Magdeburg darf am Samstag bereits bei formschwachen Bochumern vorlegen, dann könnten es vor dem Sonntagsspiel des MSV gegen Kiel unter Umständen schon acht Zähler Rückstand sein. "Leer" beschreibt die Situation der Zebras dementsprechend gut. Da kaum noch jemand in der Fan-Szene berechtigte Hoffnungen hegt, bleibt schon jetzt nur noch eine interessante Frage offen: Was passiert danach?

Grlic als Sündenbock der Fans?

Sollte es am kommenden Spieltag schon zum Abstieg kommen, muss bei den Zebras alles auf den Prüfstand gestellt werden. Und das am besten schnellstmöglich, denn insbesondere die Personalie Ivica Grlic als Sportdirektor wird kaum zu halten sein. Die Zebra-Legende hat beim MSV in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, nach dem Lizenzentzug stellte der 43-Jährige eine schlagkräftige Truppe zusammen. Zweimal formte der Sportdirektor eine Aufstiegsmannschaft in der 3. Liga, einmal stieg Grlic bereits wieder ab. Letztes Jahr schoss der Deutsch-Bosnier auf dem Transfermarkt nur Volltreffer, dieses Jahr war nichts dabei.

Die Frage nach der Schuld ist eine andere: Grlic arbeitet im Rahmen seiner Möglichkeiten und die sind begrenzt. Fakt bleibt dennoch: Duisburg war schon in der letzten Saison die Mannschaft mit den meisten Gegentoren, auch in dieser Spielzeit wird es wahrscheinlich wieder darauf hinauslaufen. Abwehrverstärkungen? Fehlanzeige. Mit Sebastian Neumann kam ein einziger Hoffnungsträger, mit Young-jae Seo ein Talent und mit Yanni Regäsel ein Problemfall, der schon zur Winterpause aussortiert wurde. Gegen Bielefeld stand dieselbe Viererkette auf dem Platz, die schon in der Vorsaison die meisten Tore kassierte – diese Planungsweise ist nicht nachvollziehbar. Aber was soll ein Sportdirektor machen, wenn finanziell nicht mehr auf dem Markt zu holen war? Tante Käthe bekommt für drei Pfennig auch keinen Bio-Apfel, sondern nur die zweite Wahl mit Delle.

Spieler können oder wollen wohl nicht

Die Mittel in Duisburg sind bekanntermaßen stark eingeschränkt, dementsprechend muss sich auch der Vorstand Gedanken um den Sparkurs machen. Der ist zwar notwenig, aber deswegen blindlings auf ein ähnliches Leistungsmöglichkeit wie im Vorjahr zu bauen, war naiv. Zudem man trotz Platz sieben auch beinahe bis zum Schluss gegen den Abstieg kämpfte. Ein Plan B war bis heute nicht zu erkennen, das Publikum in Duisburg wird einer Weiterbeschäftigung des Sportdirektors lautstark anzweifeln. Dennoch darf nicht vergessen werden: Ivica Grlic hat ein gutes Näschen. Mit Karsten Baumann, Gino Lettieri und Ilia Gruev hatte er stets den richtigen Trainer in der richtigen Situation – einzig Torsten Lieberknecht fällt aus dieser Reihe heraus.

Denn der Ex-Braunschweiger ist wohl der nächste Prüfstein. Mit 0,96 Punkten pro Spiel ist er der schlechteste Trainer der vergangenen Jahre an der Seitenlinie. Aber auch hier stellt sich die Frage: Wo liegt der Kern des Problems? Lieberknechts taktisches Wissen ist unumstritten, seine menschliche Handhabe soll gut sein, seine Mentalität als Verfechter der Leidenschaft passt zu Duisburg. Einzig auf dem Platz war das selten zu erkennen. Die Spieler ließen zum Saisonstart Gruev hängen, sie ließen über weite Strecken auch Lieberknecht hängen. Oder es ist einfach eine Frage der Qualität, die dann doch nicht ausreicht? Drei Spiele haben die Zebras noch Zeit, jeden vom Gegenteil zu überzeugen und das Fußball-Wunder zu schaffen. Andernfalls wäre ein sauberer Cut und Neustart wohl das, was die Fans in Duisburg als nächstes erwarten – was aber nicht das Richtige sein muss!