Rostock in Derbylaune: Kogge für Härtel "in der Bringschuld“
Nach dem "goldenen März" fiebert Hansa Rostock dem Nordderby mit Spitzenreiter FC St. Pauli entgegen. Passend zum erstmals seit langer Zeit mit 25.000 Zuschauern ausverkauften Ostseestadion spornt Trainer Jens Härtel seine Mannschaft für das brisante Match am Samstag mit kernigen Ansagen an.
"Wollen unser wahres Gesicht zeigen"
"Es macht ja allen Spaß, vor vollem Haus zu spielen, die Emotionen zu spüren und zu wissen, dass Druck auf dem Kessel ist", beschrieb Härtel auf der Spieltagspressekonferenz die motivierende Aussicht: "Dadurch ist aber auch jedem bewusst, dass wir in der Bringschuld sind."
Zumal der Stachel der 0:4-Pleite im Hinspiel offenkundig noch sehr tief sitzt. "Wir wollen", sagte der Coach, "dieses Mal unser wahres Gesicht zeigen.“ Zur Marschrichtung soll dabei gehören, "dass wir an 100 Prozent herankommen und St. Pauli beschäftigen, damit wir ihnen die Punkte abknöpfen können".
Die traditionelle Rivalität mit dem Kiez-Klub benötigt die Kogge nach Härtels Ansicht aufgrund der Tabellenkonstellation gar nicht als zusätzliche Motivation für eine Topleistung: "Es geht ja gar nicht darum, St. Pauli etwas wegzunehmen, sondern für uns etwas zu schaffen. Wir brauchen noch ein paar Punkte und wollen die so schnell wie möglicher holen, je eher desto besser."
"Brauchen weiter Gier und Hunger nach mehr“
Denn der Sechs-Punkte-Vorsprung des Aufsteigers auf die Abstiegszone durch den makellosen Vormonat mit Siegen in allen drei Spielen ist aus Sicht des 52-Jähgrigen trügerisch. "Wir wissen, dass wir auch das eine oder andere Mal auch Glück hatten. Wir dürfen nicht lockerlassen. Wir brauchen weiter Gier und Hunger nach mehr, statt satt uns zufrieden zu sein, denn ansonsten gibt es ein Erschrecken, wenn wir verlieren und aufwachen", stellte Härtel seine Erwartungen trotz der immerhin komfortablen Ausgangsposition im Kampf um den Klassenerhalt klar.
Trotz des Ausfalls von Pascal Breier wegen Rückenproblemen stellte Härtel einen selbstbewussten Auftritt seiner Spieler gegen den Tabellenführer an. "Wir haben uns natürlich einen Plan zurechtgelegt, denn man konnte ja in den vergangenen Spielen sehen, wo sie Mühe haben", sagte der ehemalige Profi.
Fans als Faustpfand
Allerdings stufte Härtel die Hamburger auch als schweren Prüfstein für seinen Matchplan ein: "St. Pauli ist eine sehr spielstarke Mannschaft, die ihr System und Muster durchdrücken will. Sie haben sogar auch die Qualität, nach weniger guten ersten Halbzeiten umzustellen, in der zweiten Hälfte eine unmittelbare Reaktion zu zeigen und sich zu verbessern", warnte Härtel vor einer markanten Stärke des Aufstiegskandidaten. Umso mehr setzt der Hansa-Trainer auf das Publikum: "Wenn es eine Wechselwirkung gibt, wenn ein Funke von außen auf die Mannschaft überspringt, können die Zuschauer eine wichtige Rolle spielen."