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"Tiefer Riss im Verein“: Dynamo-Torwart Schubert aus Kader gestrichen

Bei Dynamo Dresden hat der Machtkampf zwischen Fans und der sportlichen Leitung die nächste Eskalationsstufe erreicht. Der scheidende Torhüter Markus Schubert gehört im Saisonendspurt nach bösen Attacken des Dynamo-Anhangs wegen seines anstehenden Wechsels bis zur Sicherung des Klassenerhalts nicht mehr zum Aufgebot der Sachsen. Schon für das wichtige Duell am Freitag gegen den Aufstiegskandidat FC St. Pauli strich Trainer Cristian Fiel den Schlussmann aus dem Kader.

"Brauchen Stimmung, die uns hilft“

"Ich habe mich entschieden, Markus aus dem Tor zu nehmen. Wir sind in einer Situation, in der es für uns um viel geht. Deswegen brauchen wir am Freitag eine Stimmung im Stadion,  die uns hilft, noch die nötigen Punkte zu holen, um nächstes Jahr in der zweiten Liga zu spielen“, begründete Fiel seinen durchaus unerwarteten Entschluss.

Der Verein, der nur sechs Punkte vor dem Abstiegsrelegationsrang steht, fürchtete offenbar wieder Attacken gegen Schubert wie zuletzt beim Spiel beim Abstiegsrivalen FC Ingolstadt und negative Auswirkungen auf die Mannschaftsleistung gegen die Gäste aus Hamburg. Dresdens radikale Ultras verübeln Schubert seine Entscheidung gegen eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags an der Elbe zugunsten seines Wunsches nach einem Wechsel zu einem Erstliga-Klub.

Fiels Entscheidung wirft spätestens nach den Vorkommnissen in Ingolstadt mit schweren Beleidigungen des erst 20 Jahre alten Keepers und dessen Fehler bei der Entstehung des Ingolstädter Siegtreffer die Frage nach den Kräfteverhältnissen bei den Schwarz-Gelben auf. Fiel wollte seinen Schritt jedoch als Schutzmaßnahme für Schubert und nicht als Kapitulation vor Dresdens berüchtigten Ultras verstanden wissen: "Wenn der Tag kommt, an dem mir jemand sagt, wen ich aufstellen muss, dann wird das mein letzter Tag als Trainer sein. Schubert könnte mein Sohn sein, und meinem Sohn würde ich das nicht zumuten wollen, was da auf ihn zukommen würde. Ich habe mich in ihn hineinversetzt, mit zwei, drei Personen darüber gesprochen und am Ende entschieden“, beschrieb Fiel seinen Standpunkt.

Minge: "Müssen Wellen aushalten“

Dresdens Sportchef Ralf Minge machte aus seiner Erschütterung über die internen Verwerfungen und die mutmaßliche Notwendigkeit von Fiels Entscheidung kein Hehl. "Man hat das Gefühl, dass sich ein tiefer Graben auftut im Verein“, sagte der frühere Profi: "Diese Entwicklung ist kontraproduktiv. Es ist ein großer Stein ins Wasser gefallen, und die Wellen müssen wir jetzt aushalten.“

Minge, der seine volle Unterstützung für Fiels Entscheidung betonte, bemühte sich durch die Schilderung der Gespräche mit Schubert um eine Versachlichung der Debatte. "Das große Problem, das zu diesem Riss im Verein geführt hat, war nicht die Entscheidung selbst, sondern der Weg dorthin.“ Dabei wollte Minge nicht ausschließen, selbst "zu naiv gewesen“ zu sein.

Wer für Schubert zwischen die Dresdner Pfosten rückt, steht noch nicht fest. Fiel will die Personalie erst kurzfristig entscheiden.