VfL-Erfolgswelle: "Müssen nicht immer die Sterne vom Himmel spielen"
Mit dem dritten Sieg im vierten Spiel konnte sich der VfL Osnabrück am vergangenen Wochenende weiter von den Abstiegsplätzen distanzieren. Viel mehr noch, die Lila-Weißen stehen dadurch sogar in der Spitzengruppe der Liga. Sprechen will darüber aber keiner, denn beim Aufsteiger überwiegt der Stolz auf die bisherige Leistung.
"Brauchst auch Einzelqualität"
Eigentlich fing es nicht gut für den VfL Osnabrück in Kiel an, am Ende feierten die Lila-Weißen aber einen 4:2-Sieg an der Förde. Ein taktischer Kniff von Trainer Daniel Thioune brachte die Wende nach dem Seitenwechsel, wie er gegenüber der "NOZ" beschrieb: "In der zweiten Hälfte haben wir dann tiefer verteidigt, die Flügel etwas abkippen lassen." Weil dies in der ersten Halbzeit noch nicht der Fall war, war der 1:2-Pausenrückstand zu diesem Zeitpunkt aus Sicht des Osnabrücker Cheftrainer "dann auch okay".
Ein direkter Freistoßtreffer von Marcos Alvarez brachte den VfL dann auf die Überholspur. "Dennoch brauchst Du an so einem Tag eben dann auch Einzelqualität, um ins Spiel zurückzufinden - die hatten wir heute mit Marcos Alvarez und seine beiden guten Standards", lobte Thioune seinen Schützling, der zuvor schon per Elfmeter erfolgreich gewesen war. Für den Deutsch-Spanier ein Segen, denn: "Ich hatte unter der Woche brutale Rückenschmerzen, wusste deshalb gar nicht, ob ich heute spielen kann."
Thioune überrascht mit Köhler
An den weiteren Treffern der Lila-Weißen war Alvarez deswegen auch nicht mehr beteiligt. "Daher hatte ich auch kein Problem damit, dass mich der Trainer nach 60 Minuten ausgewechselt hat - gibt ja auch Schlimmeres, als nach zwei geschossenen Toren rauszugehen", akzeptierte Alvarez die Entscheidung seines Coaches wohlwollend, anschließend drehten David Blacha und Bryan Henning die Partie zu Gunsten der Gäste. Nach dem Ausgleichstreffer war die Motivation groß: "Danach hat dann jeder eingebracht, wozu er in der Lage ist - am Ende waren wir dann kein unverdienter, aber wohl ein glücklicher Sieger."
Dazu gehörte auch Sven Köhler, der überraschend für den zuletzt starken Niklas Schmidt in der Startelf stand. Weil der aber nach den intensiven Wochen erschöpft wirkte, gab Thioune dem letztjährigen Regionalligaspieler das Vertrauen. Der 23-Jährige sah Verbesserungspotential: "Nach der Pause haben wir weniger zugelassen, auch wenn es fußballerisch oft immer noch ausbaufähig war." Doch das Meckern erfolgt auf hohem Niveau, das Team von der Bremer Brücke ist immerhin nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt - und zwar dem oberen. Dass der Sieg in Kiel demnach ein glücklicher, aber kein unverdienter sei, war den Beteiligten klar: "Ganz ehrlich: Wir sind Aufsteiger, wir müssen nicht immer die Sterne vom Himmel spielen, deshalb nehmen wir den Dreier auch so gerne mit."