Vorfälle: Lilien-Fans erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Nach den Vorfällen beim Pokalspiel des SV Darmstadt 98 in Magdeburg haben die Fans der Lilien schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Die Einsatzkräfte haben derweil eine andere Sicht der Dinge.
"Aggressiv auftretende Polizeieinheit"
Schon die Anreise zur MDCC-Arena war bei den Fans auf Kritik gestoßen, in einer Stellungnahme der "Lilien Fanhilfe" ist von einer "1,5-stündigen Irrfahrt durch das Magdeburger Umland zum Gästeblock" die Rede. Bei der Ankunft am Stadion seien die Fans dann auf eine "aggressiv auftretende Polizeieinheit" aus Thüringen getroffen, die mehrere Personen ohne "erkennbaren Grund" körperlich bedrängt, geschubst und beleidigt haben soll. Die Aufforderung 'Verpiss Dich!' habe dabei noch zum freundlicheren Umgangston der eingesetzten Beamten gehört. "Einige Lilienfans taten ihren Unmut über dieser Behandlung lautstark kund, suchten jedoch keine körperlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei", betont die Fanhilfe.
Als sich die Anhänger schließlich auf den Weg in Richtung Einlasskontrollen machten, sollen die Fans daran gehindert worden sein, "die Situation ihrerseits zu filmen oder Fotos vom Geschehen zu machen." Die Beamten hätten den betreffenden Personen mit körperlicher Gewalt, Anzeigen sowie Beschlagnahmung der Kameras/Handys gedroht und die Fans über ihre Grundrechte belogen, heißt es.
Polizei soll "wahllos um sich geschlagen" haben
Kurz danach sollen rund 20 Beamte "wahllos um sich schlagend" in die Fangruppe gegangen sein. "Sie nahmen dabei keinerlei Rücksicht auf anwesende Kinder, ältere Personen oder einen Rollstuhlfahrer und griffen wahllos mit Faustschlägen, Tritten und dem Schlagstock völlig überraschte Lilienfans an", so die Fanhilfe. Dabei sei auch ein etwa zehnjähriges Mädchen von Polizisten umgerannt worden. Auch Personen, "die durch ihr Verhalten eindeutig ihre Passivität gegenüber den Beamten signalisierten, erhielten gezielte Schläge ins Gesicht und Tritte gegen Beine und Oberkörper", monieren die Anhänger.
Ein Fanbeauftragter des SV 98 sei zwar von der Polizei erkannt worden, "allerdings am Schlichten gehindert und in ein Gebüsch geschubst" worden. Zwei Fans seien in dieser Situation von den Polizisten "weggetragen und in Gewahrsam genommen" worden. Weiter heißt es: "Die Polizisten schlugen und traten in dieser Situation nicht nur gegen Fans, die in der Nähe der Festgenommenen standen, sondern auch gegen Unbeteiligte in mehreren Metern Entfernung zum Geschehen." Ein weiterer Fan, der nach der Beruhigung der Situation auf einen Polizisten zum Erfragen seiner Dienstnummer zugegangen sei, "da er aufgrund des widerrechtlichen und brutalen Angriffs Anzeige gegen ihn erstatten wollte", soll "unvermittelt von mehreren Beamten abgeführt, ergebnislos durchsucht und seinerseits von den Beamten wegen angeblichen Widerstands gegen die Polizei angezeigt" worden sein.
Neun Fans verletzt
Auch nach dem Spiel haben die Beamten der BFE Thüringen "ein für alle Anwesenden auffällig provokantes Auftreten an den Tag" gelegt, schreibt die Fanhilfe und kritisiert: "Während alle Reisebusse noch auf einen verletzten Rückkehrer aus dem Krankenhaus warteten, liefen mehrere Beamte ohne erkennbaren Grund immer wieder durch wartende Fans und suchten die körperliche Nähe, offenbar in der Hoffnung, dass ein Lilienfan unbesonnen auf Rempler reagieren würde, um so einen Vorwand zur erneuten Eskalation zu haben." Andere Beamte sollen sich "breit grinsend" direkt an die Eingangstür eines Reisebusses gestellt haben, "sodass zusteigende Fans den weiterhin provozierenden Sprüchen der Beamten und zufälligen Berührungen nicht aus dem Weg gehen konnten." Dieses Verhalten sei derart offensichtlich gewesen, "dass es ausschließlich als bewusste Provokation von Fans gewertet werden kann."
Insgesamt seien neun Fans verletzt worden, zwei Anhänger mussten vor Ort behandelt werden, einer davon im Krankenhaus. Sieben weitere Fans sollen nach ihrer Rückkehr in Darmstadt ein Krankenhaus aufgesucht haben. In ihrer Stellungnahme fordert die Fanhilfe Politik und Polizei in Magdeburg und Sachsen-Anhalt auf, "diesen Einsatz der Thüringer Polizei lückenlos und transparent aufzuklären und die randalierenden Polizeibeamten der BFE Thüringen für ihr Verhalten zur Verantwortung zu ziehen! Wir solidarisieren uns mit allen Opfern dieser Polizeigewalt und appellieren an Verein und Fanszene dies ebenfalls zu tun!"
Polizei spricht von "massivem Widerstand"
Die Polizei stellt die Vorfälle in ihrer Mitteilung unterdessen anders dar. Demnach sollen 20 Darmstädter Fans trotz mehrmaliger Aufforderung einen Weg nicht verlassen haben. Daraufhin seien sie von den Beamten weggedrängt worden. "Dabei kam es zu massivem Widerstand in Form von Tritten, Schlägen und dem Werfen von Gegenständen", so Polizeisprecher Frank Küssner gegenüber der "dpa". Zwei Polizeibeamte aus Thüringen seien dabei verletzt worden, einer von ihnen sei nicht mehr dienstfähig gewesen.
Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch betonte derweil: "Derzeit sind wir noch dabei, den Vorfall weiter aufzuarbeiten und Erkenntnisse zusammenzutragen. Nach derzeitigem Kenntnisstand stellen sich die Geschehnisse für uns anders dar als in der öffentlichen Stellungnahme seitens der Polizei."