Weiter mit Walter: Wie der HSV die Relegation verarbeiten wird

1:3 gegen den VfB Stuttgart, das Volksparkstadion blieb am Ende stumm. Etwa 45 Minuten lang lebte der Traum vom Hamburger SV, dass das Fußball-Wunder im Rückspiel der Relegation gelingen könnte - weil Sonny Kittel seine Mannschaft früh in Führung brachte. Doch haarsträubende Fehler in der Abwehr begruben die Hoffnung. Weiter geht es mit Cheftrainer Tim Walter.

Ausgerechnet Heuer Fernandes patzt

In der 6. Spielminute packte Sonny Kittel seinen Zauberfuß aus, um die Kugel unhaltbar ins lange Eck zu schweißen. Der Jubel beim Hamburger SV war groß, denn der frühe Treffer ließ die Hoffnung auf eine Aufholjagd wachsen. Aber die Euphorie, die den stark verbesserten HSV anfangs durch die Partie trug, verflog. Zuerst kombinierte sich der VfB Stuttgart zu Beginn der zweiten Hälfte sehenswert durch die passive Abwehrreihe der Elbestädter (48.), dann trat Torhüter Daniel Heuer Fernandes bei einem Rückpass über den Ball (64.). "Das ist natürlich scheiße, es tut weh", legte sich der Schlussmann fest. Der Traum vom Aufstieg war vorbei.

"Es ist schwer zu erklären gerade. Das ist wirklich eine brutale Enttäuschung", ärgerte sich der Unglücksrabe im HSV-Kasten gegenüber dem "Sportbuzzer", dass seine Mannschaft die Aufholjagd verpasste. "Man sieht, was der Verein für eine Größe und eine Wucht hat. Das ist das, was uns in den nächsten Tagen wieder aufbauen lässt. Aber heute steht der Schmerz." Zumal der Torhüter mit seinem kapitalen Patzer einen erheblichen Anteil an der Entscheidung des Spielausgangs hatte. Die meisten Fans werden Heuer Fernandes keinen Vorwurf machen, er war über die komplette Saison gesehen wohl der beste HSV-Akteur. Doch wie geht es nun an der Elbe weiter?

"Wir haben ein Fundament gebaut"

"Guckt euch das Team und die Leistung an und wie viel Begeisterung wir mit Leistung und Emotionen entfacht haben", bekräftigte der HSV-Schlussmann, dass beim HSV etwas zusammengewachsen ist. Nicht nur innerhalb der Spieler, sondern im gesamten Verein. Daher ist es wohl auch nicht überraschend, dass Cheftrainer Tim Walter auch in der kommenden Saison wieder an der Seitenlinie stehen soll. "Das kann ich mit einem ganz klaren 'Ja' beantworten", erklärte Sportvorstand Jonas Boldt in aller Deutlichkeit nach Abpfiff auf die Trainerfrage. In der "Bild" schlüsselte er auf: "Selbstverständlich geht es mit dem Trainer weiter. Wir haben ein Fundament gebaut, das dem Verein sehr, sehr gut tut. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist. Aber vieles hat richtig gut funktioniert."

Erst im Januar hatte Tim Walter seinen Vertrag um ein Jahr bis 2024 verlängert. Am Ende seines zweiten Anlaufs für den Aufstieg scheiterte der Fußballlehrer dramatisch. Der 47-Jährige wird aber die erneute Chance bekommen, obwohl auch Walter klar war, dass er an den Ergebnissen gemessen wird. "Grundsätzlich ist uns sehr daran gelegen, genau so weiterzumachen und den Kader noch zu verstärken. Wir wollen diesen Weg weitergehen. Wir wissen was wir gut gemacht und wo wir noch Potenzial haben", bekräftigte der Cheftrainer jedoch im gleichen Atemzug. "Wir fallen hin, wir bleiben aber nicht liegen, sondern stehen wieder auf."

Detailarbeit für Boldt und Walter

Der Hamburger SV muss das erneute Scheitern in der Relegation jetzt verarbeiten, dann geht es in die Aufarbeitung der Saison. Eine wackelige Defensive, in der die Hamburger oftmals auch personell gebeutelt waren, gilt es zu stabilisieren. Mögliche Abgänge von Leistungsträgern wie Robert Glatzel oder Ludovit Reis gilt es zu kompensieren. "Wir werden ganz, ganz viele Gespräche führen", kündigte Walter an - und Boldt fügte ausführlich hinzu: "Ein 'Weiter so' ist die falsche Herangehensweise. Faktisch wären wir dann nicht aufgestiegen. Das muss man dann nochmal genau analysieren. Aber wir haben 20 Siege geholt und können es nicht ändern, dass der Dritte nicht direkt aufsteigt. Die Frage ist: Wie können wir darauf aufbauen?"

Klar ist, dass sich der HSV in der kommenden Saison wieder auf seine Fans verlassen kann. Mit einem Schnitt von 53.470 Zuschauern im Volksparkstadion haben die Elbestädter eine Bestmarke aufgestellt. "Wir sind unendlich dankbar für die Unterstützung. Die Relegation haben wir schon in Stuttgart verloren, da waren sie reifer und besser. Wir haben alles gegeben, eine tolle Saison gespielt. Der Prozess ist wieder einen Schritt nach vorne gegangen, das Fundament steht", versprach Walter. Nun müssen noch Details geklärt werden.

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