• Facebook
  • Twitter

Wütende Würzburger im VAR-Trauma: "Fühlen uns wie Fußabtreter“

IMAGO / foto2press

Mit unbändiger Wut stiegen die Würzburger Kickers nach der 0:1-Niederlage bei Aufstiegskandidat Holstein Kiel in ihr selbst gechartertes Flugzeug. Wegen der krassen Fehlentscheidung vor dem entscheidenden Elfmeter der Gastgeber kochten die Emotionen im Lager des Schlusslichts vor Ärger über die erneute Benachteiligung durch die Schiedsrichter auf dem Feld und vor den Videobildschirmen noch lange nach dem Abpfiff hoch.

Trares: "Das ist nicht mehr meine Zeit“

"Das hat doch keinen Sinn. Ich habe das Gefühl, dass ich hier falsch bin. Das ist nicht mehr meine Zeit“, echauffierte sich Kickers-Trainer am Sky-Mikrofon über den Strafstoß in der 58. Minute nach einem regelgerechten Luftkampf zwischen Würzburgs Schlussmann Hendrik Bonmann und Kiels Lee Jae-sung: "Wenn das Elfmeter ist, dann können wir Tischtennis spielen gehen oder etwas anderes machen.“

Bonmann und Lee waren beide zum Ball gesprungen. Der Schlussmann faustete das Leder weg, stößt dabei aber mit so viel Schwung mit dem Südkoreaner zusammen, dass Lee zu Boden ging. Zur Überraschung auch der Platzherren zeigte Referee Thorben Siewer auf den Punkt und ließ sich auch durch Bonmanns Proteste und Bitten, sich die Situation doch noch einmal anzuschauen, nicht von seiner Entscheidung anschauen. Auch aus dem "Kölner Keller“ kam von Videoschiedsrichter Martin Petersen kein Signal, die Szene zu überprüfen.

Bonmann war denn nach Spielende vor allem wegen Siewers Sturheit außer sich: "Wie kann man sich das nicht noch einmal anschauen? Wir spielen um unsere Existenz. Das muss man mir mal erklären.“

Der Unmut der Mainfranken hat seinen Ursprung nicht nur in Siewers Fehlentscheidung. Denn schon beim vorangegangenen 1:4 bei der SpVgg Greuther Fürth wurde nach einem ebenfalls sauberen Zweikampf wiederum von Bonmann im eigenen Strafraum ein Elfmeter gegen die Kickers verhangen, ohne dass der Videoschiedsrichter trotz eindeutiger TV-Bilder korrigierend eingriff.

Schuppan: "Arroganz macht mich sprachlos“

Angesichts des sich auswachsenden VAR-Traumas des Aufsteigers war für Sportvorstand Sebastian Schuppan das Maß in Kiel endgültig voll. "Ich weiß nicht, ob Martin Petersen auf der Toilette war. Wir fühlen uns wie Fußabtreter. So verliert man den Glauben an die Gerechtigkeit im Sport“, schimpfte der Ex-Profi vor laufender Kamera und legte mit mühevoll gewahrter Fassung nach: "Ich baue diesen ollen Bildschirm nächste Woche bei uns in Würzburg ab. Ich sage einfach, dass es den bei uns nicht gibt, der wird ja eh nicht gebraucht.“ Wenn es so weiterginge, könne man „diese ganze Video-Assistant-Referee-Geschichte einstampfen“. Die Uneinsichtigkeit von Siewers bezeichnete Schuppan "als weit über das hinaus, was man akzeptieren kann“ und "Arroganz, die mich sprachlos macht. Es war kein Gespräch möglich".

Die Schiedsrichter-Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sah sich nach Spielschluss letztlich aber doch wie schon nach Würzburgs Auftritt in Fürth zu einer Entschuldigung genötigt. "Die Wahrnehmung des Schiedsrichters ist nicht zutreffend gewesen“, twitterte der Verband: "Es hätte zu einer On-Field-Review-Empfehlung und einer Rücknahme des Strafstoßes kommen müssen.“

Das Eingeständnis bringt den Kickers den verlorenen Punkt allerdings nicht zurück. Durch seine zweite Niederlage nacheinander ist der Abstieg für das Schlusslicht vor dem Heimspiel am 21. Februar (Sonntag) gegen den Hamburger SV wieder ein Stück näher gerückt.