Zitterpartie in Heidenheim: Aue steigt nach furioser Aufholjagd ab
Es muss schon ein komisches Gefühl für die Heidenheimer Spieler nach dem letzten Spieltag der Saison gewesen sein. Bis zum drittletzten Spieltag kämpfte man selbst um den Klassenerhalt und konnte diesen dann endgültig fix machen. Dann folgte der Sieg in Aalen, was gleichbedeutend mit dem Abstieg des VfR war. Am letzten Spieltag ging es dann gegen Erzgebirge Aue. Mit einem 2:2 (0:0) nach 90 Minuten wurden die Punkte geteilt, doch dies war für die Gäste zu wenig. Auch sie mussten den bitteren Gang in die 3. Liga antreten, denn nur ein Sieg hätte den Veilchen zum Klassenerhalt geholfen.
Wenig Unterhaltsames auf dem Platz
Vor der Partie wurden sieben Spieler des 1. FC Heidenheim verabschiedet. Einer von Ihnen war Torjäger Patrick Mayer, der nach insgesamt fünfeinhalb Jahren im Heidenheimer Trikot eine neue Herausforderung sucht. Diverse, ambitionierte Drittligisten sollen bereits ihre Fühler nach dem ehemaligen Torschützenkönig der 3. Liga ausgestreckt haben. Den wohl größten Applaus bekam aber ein anderer. Bereits während des Aufwärmens, bis 30 Minuten nach Spielschluss wurden immer wieder „Alper Bagceci“-Fangesänge angestimmt. Bagceci spielte seit der Oberliga beim FCH und trug insgesamt neun Jahre lang das FCH-Trikot über das Spielfeld. Ein bewegender Abschied mit unglaublich vielen, schönen Szenen außerhalb des Spiels. Auf dem Platz selbst ging es um einiges ruhiger zu, obwohl für die Veilchen so viel auf dem Spiel stand. Zwar hatten die Gäste in der ersten Hälfte etwas mehr vom Spiel, aber wirklich gefährlich wurde es nicht. So verlief der erste Spielabschnitt komplett ereignislos. Von Abstiegskampf war auf Seiten der Gäste so gut wie nichts zu sehen.
Kraus und Leipertz schocken Aue
Im zweiten Spielabschnitt musste sich etwas verändern und so war es dann auch. Doch nicht die unter Druck stehenden Gäste kamen wie verwandelt aus der Kabine. „In der zweiten Halbzeit fanden wir besser ins Spiel und waren auch nach vorne gefährlich“, so Frank Schmidt nach dem Spiel. Die Heidenheimer konnten das auch früh in etwas Zählbares ummünzen. Nach einem Eckball stieg in der Mitte Kevin Kraus am höchsten und köpfte zur Führung ein (55.). Nun waren die Hausherren drückend überlegen. Aue-Keeper Martin Männel konnte einen abgefälschten Ball gerade noch an den Pfosten lenken (63.). Auch beim Abschluss von Smail Morabit hatte Männel noch die Fingerspitzen dran und lenkte das Leder an die Latte (70.). Von den Gästen kam in dieser Phase einfach viel zu wenig. Folgerichtig mussten sie dann den zweiten Gegentreffer der Partie hinnehmen. Morabit setzte stark nach und im Strafraum setzte sich Robert Leipertz stark durch und vollendete ins lange Eck (72.). Das Spiel schien entschieden, das Schicksal von Aue besiegelt. Doch dann startete Aue eine fulminante Aufholjagd.
Männels Tor reicht Aue nicht
Ein ziemlich umstrittener Elfmeter brachte die Veilchen wieder heran. Patrick Schönfeld ließ sich die Chance nicht entgehen und traf zum 1:2 Anschlusstreffer (80.). Nun waren die Gäste in der Partie angekommen und setzten die Hausherren unter Druck. Ein solches Auftreten hatte man eigentlich von Beginn an erwartet. Die Heidenheimer waren ausschließlich mit Defensivaufgaben beschäftigt. „Aue hat leidenschaftlich sensationell gekämpft“, erkannte auch Schmidt an. Und es deutete sich eine Sensation an. Bereits zwei Spielminuten vor dem Ende machte sich Männel auf den Weg in den gegnerischen Strafraum und dieser Weg sollte sich lohnen. Nach einem Eckball von Selcuk Alibaz kam Männel im Strafraum zum Kopfball und traf sehenswert ins lange Eck. Nach seiner Rückkehr ins eigene Gehäuse erntete Männel auch von den Heidenheimern auf der Fantribüne hinter ihm Applaus. 2:2! Das Spiel war nun wieder völlig offen. Mit einem weiteren Treffer hätten sich die Auer direkt retten können. Es sollte auch noch einmal richtig spannend werden. In der Nachspielzeit kam der Ball zu Alibaz, der an der Strafraumkante einen Schlenzer ins lange Eck versuchte. Jan Zimmermann bewahrte sein Team mit einer unglaublichen Flugeinlage vor einer Heimniederlage. Das Unentschieden war für die Heidenheimer ein versöhnlicher Saisonabschluss, die nach 34 Spieltagen ihre Premierensaison auf dem achten Tabellenplatz beenden. Für die Gäste aus Aue war das Unentschieden zu wenig. Unterschiedlicher konnten die Gefühle beider Mannschaften nicht sein, aber die Bilder auf den Tribünen konnten auch ähnlicher kaum sein. Auf beiden Seiten flossen Tränen. Auf der einen wegen Spieler, die den Verein nach langer Zeit verlassen und auf der anderen wegen des Abstiegs des eigenen Vereins. Und beide Fanlager sangen und zeigten damit ihre Verbundenheit zum Verein, noch weit nach Spielschluss.