DFL-Chef Seifert: "Wir spielen auf Bewährung"
Nach der positiven Entscheidung von Bund und Ländern am Mittwoch kann der Spielbetrieb in den Bundesligen fortgesetzt werden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nahm in einer Pressekonferenz Stellung ausführlich dazu - und nimmt jeden Beteiligten vom Spieler bis zum Fan in die Verantwortung.
"Unter dem Vorzeichen des Virus"
Das hygienische Konzept der Deutschen Fußball-Liga hat in der Politik Anklang gefunden und dazu beigetragen, dass ab dem 16. Mai wieder gespielt werden kann. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zeigte sich in der Presskonferenz am Tag nach der weitreichenden Entscheidung erleichtert und dankte allen Personen und Institutionen, die eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs möglich machen.
Aus gutem Grund, wie Seifert in seinem Eingangsstatement betonte: "Im Ergebnis bestätigte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dass der Schutz für Spieler, Trainer und Betreuer weitestgehend vorhanden (...) und gegenüber anderen Arbeitsbereichen der Gesellschaft nicht erhöht ist." Und gleichzeitig machte der DFL-Chef deutlich, dass bei einer Wiederaufnahme kein "normaler Spielbetrieb" möglich sein wird. "Es wird weiterhin unter dem Vorzeichen des Virus stattfinden", mahnte der 50-Jährige und fand deutliche Worte: "Jedem muss klar sein, dass wir auf Bewährung spielen und uns jeden Tag beweisen müssen, dass wir den nächsten Spieltag verdient haben."
DFL-Chef vertraut Fanszenen
Die hygienischen Maßnahmen des DFL-Konzepts sind unlängst angelaufen. Zehn positive Befunde wurden in einer ersten Testreihe unter allen Lizenzspielern, den Trainer- und den Funktionsteams festgestellt - zwei weitere in der zweiten Testreihe. "Unser Konzept kann nur das Ziel haben, eine Ansteckung und Verbreitung auf dem Spielfeld bestmöglich in einem Beruf zu verhindern, in der weder Abstandsregeln noch Maskenpflicht einhaltbar sind", erklärte Seifert und nahm dazu jeden einzelnen Beteiligten in die Pflicht: "Wir können ihnen die Verantwortung nicht abnehmen. Ich erwarte aber von jedem, dass er dieser Verantwortung gerecht wird, wie es tausende andere Arbeitnehmer auch tun."
All die Maßnahmen der DFL und der Vereine dürfen laut Seifert aber nicht dazu führen, dass das Virus "nicht mehr ernst genommen wird". Das gilt für alle: Von den Fußball-Profis auf dem Feld bis zum Fan und Zuschauer im heimischen Wohnzimmer. Menschenansammlungen, wie es sie vor dem bisher einzigen Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln vor der Zwangspause gab, erwartet Seifert deshalb nicht. Der DFL-Chef schenkt den Fangruppierungen das Vertrauen: "Ich wage zu behaupten, dass die Fanszenen - und wir sehen wahrlich nicht alle Dinge gleich - den Kritikern nicht den Gefallen tun und die pauschalen Vorurteile zugestehen." Aus seinen bisherigen Gesprächen sei darauf "kein Rückschluss" zu führen.
"Werden Dinge auch falsch machen"
Dennoch sei der Verdacht und die Nachfrage nach diesen Aspekten der Saisonfortführung legitim. "Sehr viele, denen ihr Klub am Herzen liegt, sind sich der Verantwortung bewusst", appelliert Seifert deswegen wiederholt an das verantwortungsbewusste Handeln des Einzelnen. Denn aus dem DFL-Konzept können - und werden - alle lernen. "Dieses Konzept kann eine Blaupause für alle Berufssportarten, aber auch andere Unternehmen und Branchen sein. Es kann und wird Adaptionen geben, wie man überhaupt auf diese Krise reagieren kann", ist sich Seifert der weitreichenden Auswirkungen der Liga-Fortsetzung bewusst. Genauso aber auch der Tatsache, dass die DFL und Klubs nicht alles richtig machen werden: "Natürlich werden wir Dinge auch falsch machen, das gehört zum Leben dazu. Aber all diese Erfahrungen werden wir mit allen teilen."
Dass die Liga trotzdem schon in knapp einer Woche starten kann und das Konzept nicht erst beispielsweise durch Testläufe geprobt wird, ist im Sinne der DFL. "Das Saisonfinale soll tatsächlich noch Ende Juni stattfinden", gab Seifert in Aussicht, dass sich in Bezug auf Vertragsenden am 30. Juni noch ungeahnte Folgen ergeben könnten. Unter Berücksichtigung aller Aspekte gäbe es dementsprechend "gute Gründe, eine Wiederaufnahme schnellstmöglich zu starten". Dabei ginge es ausdrücklich nicht um den Gedanken, möglichst bald wieder Geld zu scheffeln.
Quarantäne-Trainingslager und Auswechselkontingent
Auch für die sportliche Entwicklung sei eine Wiederaufnahme notwendig. Aufgrund von Umständen, die unvorhersehbar sind, muss der Spielplan möglichst flexibel bleiben. Deswegen wird das "Quarantäne-Trainingslager" der Erst- und Zweitligisten auch auf eine Woche beschränkt sein. "Die Spiele werden anders aussehen, sich anders anfühlen und anders sein. Aber ich erwarte den bestmöglichen Sport, den man unter diesen Umständen anbieten kann", sieht Seifert die Vereine gewappnet - immer unter der Prämisse, dass es keinen "normalen" Zustand geben wird.
So erwägt die FIFA beispielsweise eine Aufstockung des Auswechselkontingent auf fünf mögliche Wechsel im Spiel. Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, bekämen auch die 36 Profi-Klubs in Deutschland kurzfristig die Möglichkeit, die Regel zeitlich befristet zu adaptieren. Auch für den Fall einzelner, mehrfacher oder gar teilweiser Gruppen-Quarantäne innerhalb eines Vereins gäbe es Pläne, die aber erst zum gegebenen Zeitpunkt veröffentlicht werden würden. Dass Klubs aber das Coronavirus vorschieben, um beim beispielhaften Ausfall einer halben Stamm-Mannschaft nicht antreten zu müssen, schob Seifert einen deutlichen Riegel vor: "Wenn eine Mannschaft die Mindestanzahl an Spielern hat, um anzutreten, dann wird sie antreten. Das geht aus der Lizenzierung hervor und gilt unabhängig vom Virus. Es gab auch schon Fälle von schweren Magen-Darm-Erkrankungen oder ähnlichem. Regelungen darüberhinaus haben wir nicht getroffen." Verantwortung haben eben nicht nur die einzelnen Menschen, sondern auch die Vereine.