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"Ist hier kein Wilder Westen": SCP mit Zweitliga-Rekord zum Auftakt

© IMAGO / Ulrich Hufnagel

Zum Saisonauftakt ist nicht immer klar, was eine Mannschaft abliefern wird. Im Falle des SC Paderborn war es ein 5:0-Sieg gegen den Karlsruher SC – und zeitgleich ein Zweitliga-Rekord. Dabei sah es lange nicht danach aus, dass ein solches Ergebnis am Spielende auf der Anzeigetafel steht. Für SCP-Coach Lukas Kwasniok war nicht umsonst Torhüter Jannik Huth der Spieler des Spiels.

"War noch nie so wütend"

Beim SC Paderborn läuft es immer wieder mal furios. Daran haben sich die Fans der Ostwestfalen längst gewöhnt. Das hindert die Mannschaft jedoch nicht daran, stets neue Maßstäbe zu setzen. Mit dem Auftaktsieg gegen Karlsruhe haben sich die Paderborner jedenfalls einen neuen Rekord geholt, denn seit der Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga vor 41 Jahren gab es noch nie einen höheren Auftaktsieg in eine Saison. Zuletzt schoss 1860 München in der Saison 2007/08 zwar sechs Tore am 1. Spieltag, kassierte aber von Augsburg auch zwei Tore. Auch Erzgebirge Aue (Saison 2004/05) schoss einmal fünf Tore gegen Rot-Weiss Essen, bekam aber auch den Gegentreffer. Der blieb in Paderborn am Sonntag aus.

Mancher Fan musste sich nach Abpfiff daher wohl die Augen reiben. Genauso auch Lukas Kwasniok. "Spieler des Spiels war Jannik Huth. Das sagt sehr, sehr viel über die ersten 60 Minuten aus", hielt der Übungsleiter in der Pressekonferenz nach der Partie fest. Der Beginn der ersten Halbzeit gefiel Kwasniok überhaupt nicht, die Führung für den KSC sei zu dem Zeitpunkt eigentlich fällig gewesen. "In den ersten 20 Minuten haben wir genau gar keine Positionsstruktur gefunden. Ich glaube, ich war noch nie so wütend, weil wir einfach Freestyle-Fußball gespielt haben." Zum Erfolg könne das nicht führen.

Kwasniok euphorisiert das Umfeld

Eine Trinkpause in der ersten Hälfte brachte den SCP an diesem Tag wieder auf Kurs. Kwasniok bläute seinen Spielern ein, worauf es im Spiel ankam. "Ich habe in aller Deutlichkeit gesagt, dass das hier kein Wilder Westen ist. Die ersten 60 Meter gehören mir als Trainer, in den letzten 30 Metern können sie dann auch mehr Freestyle spielen. Aber wir müssen eine gute Positionsstruktur haben", betonte Kwasniok, welche Schlüsse er aus der Anfangsphase zog. Ein Treffer vom Punkt durch Florent Muslija (56.) stellte dann den berüchtigten Dosenöffner dar. "Ohne das 1:0 wäre es eine zähe Veranstaltung geworden", war sich der SCP-Coach aber genauso sicher.

Es folgte der Torreigen zum Rekord, zwei Tore und zwei Vorlagen wurden durch Sommer-Neuzugänge erspielt. Insgesamt vier Akteure fanden den Weg in die Startelf – darunter gleich drei Spieler, die aus einer unteren Liga zum SCP kamen. Für Kwasniok eine Bestätigung des Paderborner Wegs, der auch über den Teamgeist führt. "Der Teamgedanke wächst nicht, weil der Trainer das sagt. Er wächst durch Maßnahmen, durch Erfolge und im alltäglichen Zusammenleben. Das spürt man jeden Tag bei uns", versicherte Kwasniok. Und dann gilt es natürlich noch, dass die Fans bei einem Rekordsieg nicht ausgebremst werden sollten. "Das Umfeld darf euphorisiert sein und wir freuen uns. Ab Dienstag sind wir dann auf Düsseldorf fokussiert", so der stringente SCP-Coach.