St. Pauli bremst RB Leipzig aus

Der Optimismus war groß. Nach dem souveränen Auswärtssieg bei Eintracht Braunschweig am letzten Wochenende schien es so, als würden sich bei RB Leipzig langsam alle Schrauben ineinander fügen. Die teuren Neuzugänge machten den Anschein, von Woche zu Woche als Mannschaft stabiler aufzutreten. Das Heimspiel gegen den FC St. Pauli, vor der Wahnsinnkulisse von über 40.000 Zuschauern, sollte ein Schaulaufen für die neue Stärke werden. Doch es kam anders…

Trainer Ralf Rangnick vertraute derselben Startelf wie zuletzt, es gab auch wenige Gründe für Veränderungen. Die Bullen machten zu Beginn mächtig Druck, man wollte sofort zeigen wer Herr im eigenen Hause ist. Bereits in den ersten zehn Minuten gab es kleinere Gelegenheiten für Davie Selke, Emil Forsberg und Georg Teigl. Die Gäste, von Trainerroutinier Ewald Lienen sehr diszipliniert eingestellt, brauchten einige Zeit, um Zugriff auf die Partie zu erhalten. Bei einem ersten Vorstoß der Hamburger war Keeper Fabio Coltorti nach einem Schuss von Marc Rzatkowski zur Stelle. Die beste Chance im ersten Durchgang gehörte dann aber wieder den Leipzigern. Der schwedische Flügelstürmer Forsberg, der in dieser Saison endlich den Durchbruch in Sachsen zu schaffen scheint, war nah dran an seinem dritten Saisontor, der Pfosten stand jedoch im Weg. Kurioserweise sollte es dann aber genau diese gute Gelegenheit sein, die nach 20 Minuten zu einem Bruch im Spiel der Heimmannschaft führte. Bis zum Pausentee spielte nun nur noch St. Pauli – Philipp Ziereis und Enis Alushi hatten das Führungstor auf dem Fuß.  Besser machte es dann schließlich Lennart Thy – nach einer schicken Einzelleistung vollendete er flach ins linke Eck zum 0:1. Nach 45 Minuten also lag der Außenseiter in Front und der Großteil der Zuschauer in der Messestadt schaute sich verwundert an.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöhte Rangnick die Schlagzahl, für Verteidiger Tim Sebastian kam mit Yussuf Poulsen ein weiterer Offensiver. Und der Däne war auch gleich voll da. Nach einem energisch erkämpften Ball setzte er halbrechts Selke in Szene, der Ex-Werder-Stürmer konnte diese Riesengelegenheit aber nicht verwerten. Sein Schuss segelte flach vorbei. In der Folge bot sich immer wieder dasselbe Bild. RB drückte, war aber selten gefährlich - Pauli verlegte sich auf Konter und wirkte dabei dem zweiten Tor näher als die Rot-Weißen dem Ausgleich. Zwar gab es noch Gelegenheit für Dominik Kaiser per Freistoß oder auch dem eingewechselten Zsolt Kalmar durch einen Fernschuss, in der Endkonsequenz war es aber zu wenig.

Der FC St. Pauli gewinnt mit 1:0 bei RB Leipzig und bremst jegliche Form von Euphorie bei den Sachsen kräftig aus. Der Aufstiegsfavorit wird sich erheblich steigern müssen, um den eigenen Anforderungen gerecht zu werden. Vor allem offensive Korsettstangen wie Selke, Poulsen oder auch Sabitzer sollten schnellstens zur Normalform finden, zudem wirkt das System von Ralf Rangnick bisweilen durchschaubar und nicht flexibel. Mit der gezeigten Darbietung sind die Roten Bullen jedenfalls trotz aller investierten Millionen ein ganz normaler Zweitligist.

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