0:1 im Derby! Hamburger SV droht bitteres Déjà-vu

Hamburg hat einen neuen Derby-Helden, aber der trägt keine Rothose! Stattdessen brannten HSV-Kapitän Tim Leibold in der Nachspielzeit der 0:1-Niederlage gegen St. Pauli die Nerven durch. Dabei startete die Elf von Cheftrainer Daniel Thioune verhältnismäßig gut, musste zwei Lattentreffer hinnehmen. Jetzt kommt der vierte Platz dazu.

"Ach was, Frustfoul..."

Die Partie war noch keine 60 Sekunden alt, als der Hamburger SV einen Freistoß zugesprochen bekam - und Sonny Kittel schweißte die Kugel aus 30 Metern an das Lattenkreuz. Es war der Auftakt zu einem rasanten Derby mit dem FC St. Pauli, in dem beide Mannschaften vor allem in der ersten Halbzeit mit spielerischen Akzenten glänzten. HSV-Innenverteidiger Gideon Jung traf ein weiteres Mal das Aluminium (21.) und auch Schlussmann Sven Ulreich war reflexartig zur Stelle (23.), für den neutralen Fan ein Augenschmaus. "Ich kann meiner Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie nicht die Gier hatte, dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben Arbeit auf dem Platz gezeigt und wurden nicht belohnt", nahm Cheftrainer Daniel Thioune das unrühmliche Ende für sein Team vorweg.

Denn im zweiten Abschnitt verflachte die Partie, dafür war der Jubel am Millerntor umso größer. Daniel-Kofi Kyereh hämmerte die Kugel ins Netz, dem HSV brannten die Sicherungen durch. Ausgerechnet HSV-Kapitän Tim Leibold, dessen schneller Einwurf regelwidrig von den Gegnern verhindert wurde, langte danach per Tritt gegen Guido Burgstaller nach. "Ach was, Frustfoul... Ich glaube, Herr Aytekin hat es so bewertet. Er ist normal ein Bomben-Schiedsrichter, der viele richtige Entscheidungen trifft", haderte der Außenverteidiger kurz nach Abpfiff mit der Szene, wie auch der "Kicker" berichtet. Mit Hinblick auf die Nachspielzeit habe er sich mehr Fingerspitzengefühl für die Situation gewünscht. Aber auch FCSP-Stürmer Guido Burgstaller war sich sicher: "Wenn er die Situation sieht, weiß er selber, dass es eine Rote Karte ist."

Enttäuschung und Sorge überwiegen

Fakt ist, dass es "mir dann in der Form natürlich nicht passieren" darf, wie auch Leibold später einräumte. Am Ende überwog möglicherweise doch der Frust: "Es ist einfach alles eine riesige Enttäuschung. Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht." Allerdings verpasste der HSV den Treffer, was bereits die zweite Niederlage in Folge bescherte. Im Aufstiegskampf bedeutet das einen riesigen Rückschritt für den Tabellenführer, der nun keiner mehr ist. HSV-Keeper Sven Ulreich war bedient: "Es tut brutal weh, dass wir dieses Spiel am Ende tatsächlich noch verlieren."

Auch Cheftrainer Daniel Thioune hielt sich nach der Partie nicht mit langen Analysen auf. "Ich will mich gar nicht groß in Inhalten verlieren, denn das fühlt sich heute einfach nur schlecht an", gab der 46-Jährige zu Protokoll und verdeutlichte, dass der HSV als Mannschaft "damit jetzt erstmal umgehen" müsse. Die Ziele der Elbstädter werden nicht weniger hoch gesteckt, doch in der Tabelle zeichnet sich ein verdächtig vertraues Schema ab. Nachdem alle Konkurrenten im Aufstiegskampf punktete, rutschte der HSV am Montagabend vom ersten auf den vierten Platz ab. Elf Spieltage sind noch zu gehen, aber die Sorge ist groß, dass sich die Geschichte über das Verspielen des Aufstiegs einmal mehr wiederholt.

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