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Herbstmeister St. Pauli: "Wissen, dass wir davon noch nichts kaufen können"

© IMAGO / Lobeca

Ein Doppelpack von Guido Burgstaller gegen den Ex-Klub machte den FC St. Pauli am Samstagabend zum diesjährigen Herbstmeister. Die halbe Miete zur Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren? Statistisch haben sich ungefähr zwei Drittel aller Herbst-Champions am Saisonende durchgesetzt. Trotzdem herrscht Demut bei den Kiezkickern.

"Brutale Energieleistung von allen"

Am 16. Spieltag der Saison 2020/21 netzte Guido Burgstaller, der zuvor lange verletzungsbedingt ausgefallen war, zum ersten Mal für den FC St. Pauli ein. Erst in der Nachspielzeit veredelte Igor Matanovic den Treffer, der zum umjubelten 3:2-Sieg gegen Hannover 96 wurde – und den Wendepunkt bei den damals höchstgefährdeten Kiezkickern markierte. 322 Tage nach dem Befreiungsschlag im Abstiegskampf krönte sich der FCSP am vergangenen Samstag zum Herbstmeister der 2. Bundesliga. Dank Guido Burgstallers Treffern.

"Wir freuen uns natürlich sehr. Es war eine brutale Energieleistung von allen", lobte Co-Trainer Loic Fave das gesamte Team für den Auftritt gegen Schalke (2:1). "Wir sind verdient in Führung gegangen und hätten nach der Pause das 3:0 nachlegen können, dann wäre es vielleicht nicht so eng geworden." Denn Rodrigo Zalazar – Teil des Erfolgsteams zur St. Pauli-Rettung in der letzten Rückrunde – verkürzte für die Königsblauen. Die wiederum hatten Burgstaller vor einem Jahr ablösefrei ans Millerntor ziehen lassen. Doch trotz des Sieges gegen den Ex-Klub blieb der Österreicher bescheiden: "Wir wissen, dass wir uns davon heute noch nichts kaufen können und für solche Erfolge hart arbeiten müssen."

27 von 39 Herbstmeistern gingen hoch

Dennoch hat der FC St. Pauli inzwischen 35 Punkte nach 16 Partien auf dem Konto – die Herbstmeisterschaft ist durch Darmstadt (29) oder Regensburg (28) nicht mehr zu nehmen. Kaufen können sich die Hamburger wahrlich nichts von dem Zwischenstand, doch die Träume von einem Aufstieg manifestieren sich allmählich. Wie der "Kicker" recherchierte, sind in der eingleisigen 2. Bundesliga immerhin 27 von 39 Herbstmeistern am Saisonende aufgestiegen – das würde für den FCSP die Rückkehr nach elf Jahren ins Oberhaus bedeuten. Damals ballerte Marius Ebbers (20 Tore) die Kiezkicker nach oben.

Aber eine Statistik bleibt eine Statistik – und beinhaltet auch Warnungen. Denn in den letzten fünf Zweitliga-Jahren stieg nur ein einziger Herbstmeister auf, nämlich Arminia Bielefeld (2019/20). Der Stadtrivale vom Hamburger SV scheiterte gleich zwei Mal nach dem inoffiziellen Herbst-Titel, auch Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel brachten das Rennen letztlich nicht über die Zeit. Wie es in diesem Jahr ausgehen wird, hat der FC St. Pauli in der eigenen Hand. Und die Basis stimmt, wie Philipp Ziereis betonte: "Die Arbeit gegen den Ball war die Grundlage, wir haben alles reingeworfen. Alles in allem war das schon ein verdienter Sieg. Es ist schön, dass wir das am Ende gezogen haben." Und das muss nicht der letzte Zug gewesen sein.