Kadercheck SC Freiburg: Nils Petersen macht den Unterschied

Der Umbruch war zu erwarten – und er kam. Den Aussagen der Verantwortlichen nach erfüllte sich damit aber keine Befürchtung, sondern die Vielzahl an Transfers war zu großen Teilen gar so gewollt. Weiterhin an Bord ist zumindest Trainer Christian Streich, der jedoch nach dem Abstieg bei vielen Fans längst nicht mehr unumstritten ist. Nun jedenfalls geht der SC Freiburg zurück auf Start und beginnt das Abenteuer Wiederaufstieg. liga2-online.de nimmt den Kader der Freiburger unter die Lupe.

Tor: Zweikampf um Bürkis Erbe

Roman Bürki, im letzten Jahr die Nummer 1 und einer der besten Schlussmänner in der Bundesliga, sollte gehalten werden – als jedoch Borussia Dortmund lockte hatten die Breisgauer keine Chance. Mit ihm verließen auch die Backups Sebastian Mielitz (nach Fürth) und Daniel Batz (nach Chemnitz) den Verein.

Stattdessen wurde das nach Bielefeld verliehene Eigengewächs Alexander Schwolow zurückgeholt. Dort war der gebürtige Wiesbadener zur Stammkraft und zum Pokalhelden avanciert. Nach diesem Entwicklungssprung ist er nun als Nummer 1 im Schwarzwald eingeplant, soll dabei aber Druck durch den vom FSV Frankfurt gekommenen Patric Klandt spüren. Dieser war in den letzten Jahren stets der Platzhirsch in seinem Verein und wird sich gewiss nicht freiwillig auf die Bank setzen.

Als dritter Mann steht Konstantin Fuhry, bislang im Regionalligateam beheimatet, zur Verfügung.

Abwehr: Die Ungewissheit um Mitrovic

Geht er oder bleibt er? Diese Frage beschäftigt das Umfeld des Sportclubs im Fall Stefan Mitrovic seit Wochen. Der Serbe, der im letzten Jahr von Benfica Lissabon gekommen war, wäre im Unterhaus einer der absolute Eckpfeiler im Defensivbereich der Mannschaft. Jedoch wird er quasi täglich mit Erstligisten in Verbindung gebracht, so dass es momentan eher so aussieht, dass er vor Ende der Transferfrist noch anderswo unterschreibt.

Dieses Szenario wäre für den Verein ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Auf der Position des Innenverteidigers scheint man ohnehin gut aufgestellt. Der Trainer hat die Wahl zwischen dem erfahrenen Spanier Marc Torrejon, der sowohl in Deutschland als auch in seiner Heimat Erstligaerfahrung sammeln konnte; den ebenfalls bereits erstligaerprobten Youngstern Marc-Oliver Kempf und Immanuel Höhn sowie U19-Nationalspieler Jonas Föhrenbach, der aus der Zweiten hochgezogen wurde. Auch Nicolas Höfler, eigentlich im defensiven Mittelfeld beheimatet, kann diese Rolle bei Bedarf ausfüllen.

Ähnlich solide sieht es auf der Außenverteidigerposition aus. Auf links dürfte Christian Günter wie schon in Liga 1 gesetzt sein, für die rechte Seite gibt es mehrere starke Kandidaten. Neben den erfahrenen Mensur Mujdza und Sascha Riether kämpfen auch Neuzugang Lukas Kübler (zuletzt Stammspieler in Sandhausen) und Vegar Eggen Hedenstad (zurück nach Leihe in Braunschweig) um einen Platz.

Mittelfeld: Luxus im Zentrum, Vakuum auf Außen

Nicht weniger heiß diskutiert wie das Thema Mitrovic wurde auch der Verbleib von Vladimir Darida. Der tschechische Nationalspieler ist individuell der vielleicht beste Kicker im SC-Kader, sieht sich aber auch gerade deswegen zu höherem berufen. Er würde gern weiter erstklassig spielen, bislang jedoch war noch kein Verein bereit seine Ausstiegsklausel zu zahlen. Dennoch scheint ein Abgang wahrscheinlich.

Die weitere Parallele zum wechselwilligen Innenverteidiger: ein Transfer könnte auch hier intern mit ordentlicher Qualität abgefangen werden. Dies liegt aktuell vor allem an Amir Abrashi. Der 25jährige kam ablösefrei von  Grasshopper Zürich und hinterlässt in der bisherigen Vorbereitung einen herausragenden Eindruck. Er scheint schon jetzt für den Saisonstart gesetzt.

Um die zweite Position im zentral-defensiven Mittelfeld streiten wohl der bereits erwähnte Nicolas Höfler und Kapitän Julian Schuster. Beide haben als langjährige Freiburger das System von Christian Streich verinnerlicht und sind jederzeit bereit, ihre Rolle zu spielen.

Positiv in Erscheinung getreten ist im Trainingslager außerdem der aus Unterhaching verpflichtete Nachwuchsmann Lukas Hufnagel. Der Georgier scheint auf Anhieb näher dran an der ersten Elf zu sein, als man dies zunächst erwarten konnte – ein Aspekt, der den Konkurrenzkampf weiter anheizt und noch mehr den Druck aus der Personalie Darida nimmt.

Ex-Bayern-Jugendspieler Marco Hingerl hingegen wird wohl zunächst keine Rolle in der ersten Mannschaft spielen. Das Talent dürfte Spielpraxis im Regionalligateam sammeln. Viele Alternativen also in der Zentrale, auf der Außenbahn sieht das schon anders aus. Nach den Abgängen von Jonathan Schmid und Felix Klaus gibt es zahlreiche Fragezeichen. Es ruhen viele Hoffnungen auf dem Norweger Mats Möller Dähli, der jedoch immer wieder durch Verletzungen zurückgestoßen wurde und deshalb sicher nicht als verlässliche Größe zählen kann. Neben zwei Spielern aus dem eigenen U19-Team, Florian Kath und Pius Dorn, die noch nicht mit nachhaltiger Sicherheit als zweitligatauglich eingestuft werden können, ist am ehesten der Ex-Nürnberger Mike Frantz eine zu erwartende Besetzung auf dieser Position. Der Allrounder wird aber immer wieder auch an anderer Stelle gebraucht, so dass die Verpflichtung mindestens eines weiteren Flügelakteurs hohe Priorität haben sollte und auch hat – zumal Vincenzo Grifo, hoch veranlagter Neuzugang von der TSG Hoffenheim, wohl eher in einer offensiven Rolle als hängende Spitze eingeplant ist.

Sturm: Petersen ist die Antwort auf alle Fragen – oder nicht?

Selten hat ein Transfer im Breisgau so für Trubel gesorgt wie die Weiterverpflichtung von Nils Petersen. Viele Fans sehen ihn ihm die direkte Fahrkarte zum Wiederaufstieg. Eine Wahrnehmung, die Risiken birgt: der Ex-Werderaner ist ein Strafraumstürmer und kann seine Qualitäten nur dann ausspielen, wenn er von den Mitspielern eingesetzt wird. Gelingt dies, dann kann er den Unterschied ausmachen – aufgrund der aktuell noch vorherrschenden Schwächen auf Außen bleibt zumindest ein Fragezeichen.

Neben ihm stehen sehr verschiedene Stürmertypen im Kader. Vom technisch versierten und schnellen Maximilian Philipp wird ein weiterer Entwicklungssprung erwartet – in der Bundesliga zeigte er oft gute Ansätze, in der Endkonsequenz fehlte es ihm aber an Torgefahr. Letzteres gilt ebenso für Karim Guede – der mittlerweile 30jährige Slowake wird aber in seinem Fußballerleben garantiert kein Knipser mehr. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Körper einzusetzen und damit Räume für seine Nebenleute zu schaffen.  In dieser Rolle kann er dann auch sehr wertvoll sein.

Etwas offen scheint noch die Rolle von Tim Kleindienst. Der U21-Nationalspieler traf letzte Saison in der dritten Liga zweistellig für Energie Cottbus. Es bleibt abzuwarten, ob ihm der Sprung in die höhere Spielklasse nahtlos gelingt oder ob er vielleicht sogar kurzfristig noch für ein Jahr an seinen Ex-Klub zurückverliehen wird.

Der aus der Zweiten hochgezogene Amir Falahen wird zunächst um den Anschluss an den Profikader kämpfen müssen.

Fazit:

Der Wiederaufstieg kann gelingen, garantiert ist er mit diesem Kader aber nicht. Speziell auf der Außenbahn benötigt der Klub noch mindestens einen, wahrscheinlich sogar zwei echte Verstärkungen. Auch ein zweiter herausragender Stürmer neben Petersen würde dem Unterfangen Nachdruck verleihen.

Die zweite Liga ist sehr ausgeglichen und eine direkte Rückkehr ins Oberhaus wird so oder so ein harter Weg. In Freiburg wird aber niemand nervös, der eigene Weg wird konsequent verfolgt – eventuell kann das letztlich sogar der entscheidende Faktor sein.

Kaderchecks: [SC Freiburg] [SC Paderborn] [Karlsruher SC] [1.FC Kaiserslautern] [RB Leipzig] [Eintracht Braunschweig] [1.FC Union Berlin] [1.FC Heidenheim] [1.FC Nürnberg] [Fortuna Düsseldorf] [VfL Bochum] [SV Sandhausen] [FSV Frankfurt] [SpVgg Greuther Fürth] [FC St. Pauli] [TSV 1860 München] [Arminia Bielefeld] [MSV Duisburg]

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"