Es geht wieder los! Fragen und Antworten zum Re-Start
Nach über zwei Monaten Pause rollt am kommenden Wochenende wieder der Ball. liga2-online.de beantwortet im Vorfeld des Re-Starts die wichtigsten Fragen.
Saisonende bis zum 30. Juni?
Wie ist die Stimmung bei den Vereinen?
Eine Rückkehr in den Spielbetrieb und damit auch eine Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings ist für die meisten Klubs ein Schritt zurück in die Normalität. HSV-Cheftrainer Dieter Hecking ist jedenfalls froh: "Eine größere Gruppe, andere Spielformen, Zweikämpfe führen - das sind Dinge, die ein Fußballer auch braucht. Die Stimmung war und ist dementsprechend gut, aber keinesfalls locker."
Dennoch ist der Fußball in der Öffentlichkeit in die Kritik geraten, weil er eine Sonderrolle einnehmen würde. Für Hecking ist das aber der falsche Ansatz: "Bei aller Kritik am Fußball muss man diesen auch als Vorreiter sehen." Dass der Weg dahin weit war, bestätigt auch VfB-Vorstand Thomas Hitzelsberger im "Kicker": "Wir haben viele Wochen diskutiert. (...) Jetzt sind wir alle froh, dass es wieder losgeht. Das hilft uns, besser planen zu können." Und bei guter Stimmung war auch Schmunzeln wieder erlaubt, wie beispielsweise Dominik Kaiser von Hannover 96 zugab: "Wir haben schon gemerkt, dass es nicht ganz so einfach ist, denn wir waren ein paar Wochen nicht in den Zweikämpfen, nicht in den richtig schnellen Bewegungen."
Sind schon alle Teams wieder im Mannschaftstraining?
Ja, alle Mannschaften der 2. Bundesliga haben das Mannschaftstraining wieder aufgenommen - die meisten sogar unmittelbar am Donnerstag, nachdem tags zuvor die Entscheidung für die Fortsetzung des Fußballs seitens von Bund und Ländern positiv ausfiel. Manche, wie zum Beispiel Arminia Bielefeld oder der Hamburger SV, befinden sich sogar schon im sogenannten "Quarantäne-Trainingslager". Frühere Vorkommnisse des Covid-19-Krankheitserregers, wie zum Beispiel in Hannover oder Wiesbaden, spielten dabei keine Rolle mehr.
Geändert hat sich die Situation erst am Samstag. Auch, wenn manche Vereine wie die Hamburger Klubs, aufgrund der Zuständigkeit verschiedener Behörden und engmaschigen Regelungen, erst verhältnismäßig spät das Mannschaftstraining aufnahmen, ist die Situation in Dresden nun eine ganz andere. Nachdem dort insgesamt drei positive Befunde festgestellt wurden, ist der gesamte Verein nun in häuslicher Quarantäne und wird auch nicht vor Ablauf der 14 Tage auf den Rasen zurückkehren.
Findet das Spiel zwischen Hannover und Dresden am Samstag statt?
Nein, das Spiel zwischen den Klubs wurde bereits abgesagt. Über die sozialen Netzwerke ließen die Niedersachsen ihrem betroffenen Gegner bereits Genesungswünsche zukommen und kündigten gleichzeitig Gespräche mit der DFL an. Sportdirektor Gerhard Zuber will "eine Lösung für die gesamte 2. Liga" finden und versprach an: "Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet."
Was passiert, wenn weitere Mannschaften in Quarantäne müssen?
Über den Gang in die Quarantäne entscheiden weder die Vereine, noch die DFL. Das obliegt weiterhin den zuständigen Gesundheitsbehörden, wie es jetzt auch in Dresden der Fall war. Die Spiele gegen Hannover 96 und wohl auch gegen Greuther Fürth in diesen 14 Tagen sind somit abgesagt - und sollten weitere Mannschaften in Komplett-Quarantäne müssen, würden wohl auch diese Spiele abgesagt werden.
Das hätte zur Folge, dass es zu Spielverlegungen kommen wird. Weil die DFL den bisherigen Plan auf zwei Englische Wochen beschränkt hat, um notfalls genügend Puffer für Spielverschiebungen zu haben, dürfte bei einzelnen Fällen noch keine erneute Abbruchsgefahr aufkommen. Entsprechend sieht DFL-Chef Seifert den Zeitplan durch die SGD-Quarantäne auch nicht ins Wanken geraten. Zum Vergleich: Elf Spieltage in der 3. Liga sollen mit insgesamt fünf Englischen Wochen in Folge zu Ende gespielt werden - ohne Puffer.
Ist ein Saisonende bis zum 30. Juni noch realistisch?
Nach aktuellem Rahmenterminplan: Ja. Es wird sich aber erst in den kommenden Wochen zeigen, ob die Maßnahmen des hygienischen Konzepts der DFL greifen und welche Komplikationen man möglicherweise noch nicht bedacht hat. Klar ist, dass durch den Puffer weiterer Englischer Wochen ein gewisser Spielraum für Verschiebungen und somit das Einhalten des 30. Juni besteht. Die Relegationsspiele werden derweil in den Juli fallen.
Was sagen Spieler und Fans?
Wo werden die Spiele übertragen?
Mit einem Ausnahmefall konnte die DFL mit allen Medienpartnern eine Einigung erzielen, welche die Zahlung der letzten TV-Rate im Zuge des bestehenden Rahmenplans für alle Sender beinhaltet. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass die Medienpartner auf den bisher bekannten Wegen übertragen.
Hauptpartner "Sky" bietet darüber hinaus eine Übertragung der Sonntags-Konferenz der 2. Bundesliga im freiempfangbaren TV über den hauseigenen Sender "Sky Sport News HD" an. Dies gilt zunächst aber nur für die kommenden beiden Spieltage am 17. und 24. Mai.
Was sagen die Spieler?
Im Allgemeinen teilen die meisten Fußball-Profis die Meinung ihres Klubs und freuen sich, den Beruf als Fußballer wieder wahrnehmen zu können. Es gibt aber auch kritische Stimmen, wie beispielsweise KSC-Spieler Marc Lorenz erst am Montag deutlich machte. "Es ist für mich ein Durchdrücken ohne Rücksicht auf Verluste", kritisierte der 31-Jährige die geringe Vorbereitungszeit und die dadurch gesteigerte Verletzungsgefahr für die Akteure. Denn viele Zweitliga-Profis, deren Vertrag im Sommer endet, werden in Hinblick auf die Zukunftsplanung möglicherweise über die Grenzen der Vernunft hinaus agieren.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Aues Abwehrspieler Sören Gonther gegenüber der "Mopo", indem er das individuelle Training der letzten Wochen einen "Reha-Charakter" verlieh: "Wenn es jetzt nach nur einer Woche Vorbereitung ohne Testspiele alle paar Tage eine umkämpfte Partie gibt, dann befürchte ich ein erhöhtes Verletzungsaufkommen." Andersherum sieht es beispielsweise Bochums Profi Sebastian Maier, der nun selbst aus einer langen Verletzungspause zurückkommt. Gegenüber der "WAZ" sagt er unmissverständlich: "Ich bin bereit."
Was sagen die Fans?
In den sozialen Netzwerken hagelt es massive Kritik an der Saison-Fortsetzung, weil diese entweder "unnötige Risiken" birgt oder "sowieso zum Scheitern" verurteilt wird - meistens steht die Austragung vor leeren Rängen immer noch im Vordergrund der ablehnenden Haltung.
Aber auch der bundesweite Zusammenschluss der Ultra-Gruppierungen, die "Fanszenen Deutschlands" kritisierten vor rund einem Monat eine mögliche Fortsetzung: "Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft." Auch die DFL befindet sich deshalb im Austausch mit den Fanszenen. Geschäftsführer Christian Seifert betonte bereits, dass man "natürlich nicht in allen Punkten" die gleiche Meinung teilen würde, aber auch zum verantwortungsbewussten Handeln bereit wäre.
Was passiert bei Fan-Ansammlungen vor dem Stadion?
Sollten sich Fans vor Stadien versammeln, droh ein Abbruch der Partie. Seifert geht aber nicht davon aus, dass es zu Ansammlungen kommen wird. "Ich wage zu behaupten, dass die Fanszenen den Kritikern nicht den Gefallen tun und die pauschalen Vorurteile zugestehen."